Welt : 1001 Hochzeitsnacht

Heute laden der Kronprinz von Brunei und seine Braut zum Essen – sie wollen bis Montag durchfeiern

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Der Kronprinz von Brunei Darussalam, Hadschi al Muhtadee Billah ibni Sultan Hadschi Hassanal Bolkiah Mu’issadin Waddaulah, und seine Braut Dajangku Sarah binti Pengiran Salleh Ab Rahaman feiern heute Hochzeit. Die Namen klingen wie aus 1001 Nacht, und tatsächlich scheint die Hochzeit auf Südostasiens Dschungelinsel Borneo märchenhaft. Eine Bürgerliche heiratet einen Prinzen, der auf der Bühne der internationalen Monarchie eine Rarität ist – die Sultane regieren Brunei schon seit gut 600 Jahren.

Im Moment herrscht Sultan Hassanal Bolkiah, der vor allem dadurch bekannt geworden ist, dass er seinen Jumbojet mit den vergoldeten Waschbecken selbst steuert. Weil Öl und Gas vor seiner Küste liegen, war Hassanal im Vor-Bill-Gates-Zeitalter der reichste Mann der Welt. Schlecht geht es ihm immer noch nicht – der Vater des Bräutigams soll 150 Rolls-Royce besitzen.

Vor sechs Jahren machte Sultan Hassanal sein drittes Kind Muhtadee zum Kronprinzen. Über den heute 30-jährigen Thronfolger ist wenig bekannt. Nach Palastangaben hat er in Brunei und Oxford Kurse in Politik, Geschichte, Recht, Handel, Diplomatie, Finanzen und Islamstudien belegt. Er mag Badminton und besitzt einen Fußballverein, als Billardspieler schaffte Prinz Muhtadee es sogar in die Nationalmannschaft. Vor ein paar Monaten verlieh sein Vater ihm den Generalsrang. Über seine Braut Sarah Salleh – die Schülerin wurde im April 17 Jahre alt, ließ Bruneis königliche Familie außer ihrem Geburtsdatum und der Information, dass sie zwei ältere Geschwister hat, genau drei Sätze bekannt geben: „Unter ihren Freunden und Lehrern ist sie für ihren Liebreiz und ihren Fleiß bekannt. Sie mag Klettern, Segeln und Tauchen. Sie schätzt auch Expeditionen mit Geländewagen durch mehrere Länder.“ Nach Presseberichten ist ihre Mutter Schweizerin, ihr Vater aus Brunei.

Vor zwei Wochen begannen die Hochzeitsfestivitäten zu Klängen des königlichen Orchesters, am kommenden Montag werden sie mit Kanonenschüssen zu Ende gehen. Das Ehegelöbnis hat das Paar bereits vergangenen Sonntag abgelegt – getrennt voneinander. Im streng islamischen Brunei war die Bündnisbesiegelung in der prächtigen Sultan-Omar-Ali-Saifuddien-Moschee Männersache, Sarahs Vater unterschrieb. Die Braut, so eine Presseerklärung, habe ihr Gelöbnis „an einem separaten Ort“ abgegeben.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist jedoch der Empfang im Thronsaal des Palastes, der am heutigen Donnerstag stattfindet. Dann wird das Paar sich dem Volk zeigen, in einer zur goldenen Kutsche umgebauten Limousine geht es durch Bruneis Hauptstadt Bandar Seri Begawan, alle 50 000 Einwohner werden an den Straßenrändern erwartet. Es folgen drei Abende mit Feuerwerken und Konzerten, los geht es am Freitag. Es wird vermutet, dass Sarahs Schuhe mit Diamanten geschmückt sein werden – so wie die Schuhe ihrer Schwägerin, die 1997 heiratete.

Zur Hochzeit haben sich Bahrains König Hamad, Malaysias König Syed Sirajuddin und Japans Kronprinz Naruhito angemeldet, der ohne seine immer noch kranke Gattin Masako anreiste. Saudi Arabiens Prinzen Bandar und Saud werden erwartet, Staats- oder Regierungschefs von Indonesien, den Philippinen, Singapur, Malaysia und Thailand stehen auf der Gästeliste. Die VIPs wohnen in opulenten Villen oder im Empire Hotel – einem Traum in Gold und Marmor, der gerüchteweise 2,7 Milliarden US-Dollar gekostet hat. Dort kommt auch der Herzog von Gloucester unter, den Ihre Majestät, die Königin von England, vertregungsweise schickt.

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