Welt : "110" antwortet immer: Kostenlose Notrufnummer wird häufig missbraucht

Sie wird als Auskunft, Kummertelefon, Test- und Spaß-Line benutzt - und manchmal auch für Notfälle: Die bundesweite Notrufnummer "110" wird immer häufiger unberechtigt angewählt. Gerade Handy-Besitzer machen vielfach von dem kostenlosen Angebot Gebrauch. "Viele Besitzer, die testen wollen, ob das Gerät funktioniert, drücken dann die 110", sagte der Einsatzleiter der Münchner Polizei-Zentrale, Joachim Rummler, in einer dpa-Umfrage. Bis zu 600 Mal täglich läute hier das Notruftelefon ohne triftigen Grund.

Dass der Notruf bei Mobiltelefonen auch ohne Karte und kostenlos funktioniere, sei eigentlich eine gute Sache, meinte ein Frankfurter Ordnungshüter: "Bei einem Unfall auf der Autobahn melden sich gleich zehn Leute. Da geht nichts mehr verschütt." Doch auch in der Mainmetropole sind die Beamten von der Flut der Anrufe genervt. Von den täglich rund 1000 Anrufen seien höchsten 200 echte Notrufe: "Seit der Einführung der Handys haben wir vermehrt Schmäh-Anrufe, die wir nicht mehr als Dumme-Jungen-Streiche ansehen können."

Diese würden aber nur in besonders krassen Fällen verfolgt - die Frankfurter Polizei verfügt wie viele andere Polizeidienststellen in Deutschland noch nicht über eine ISDN-Anlage, so dass die Nummer des Anrufers nicht im Display erscheint. Es mache dann "Riesenaufwand", den Anrufer über den Telefonanbieter ausfindig zu machen.

Dies geschieht aber in jedem Fall, wenn jemand einen falschen Notfall meldet - und das wird richtig teuer. "Die Kosten eines überflüssigen Einsatzes plus Ermittlung der Adresse können mehrere hundert Mark betragen", sagte Mathias Tänzer vom Polizeipräsidium Potsdam. Wenn ein Löschzug der Feuerwehr ausrückt, werden es schnell sogar über 1000 Mark. Zudem droht eine Anzeige: Nach Paragraf 145 Strafgesetzbuch kann sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe verhängt werden.

Doch es kommt auch vor, dass die Notrufnummer bewusst als Auskunft missbraucht wird: "Manche Leute rufen tatsächlich an, um die Uhrzeit zu erfragen", sagte der Essener Polizeisprecher Uwe Klein. Die Frankfurter Beamten erzählten, dass Touristen häufig nach dem Weg zum Bahnhof oder einem freien Hotel fragen. Der Missbrauch der Notrufnummern führt nach Angaben der meisten Dienststellen jedoch nur sehr selten zu einer Überlastung der Notrufleitungen, wie im hessischen Lahn-Dill-Kreis geschehen. Dort wurden binnen acht Wochen mehr als 11 000 Handy-Notrufe verzeichnet - kein einziger habe einem echten Notfall gegolten.

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