Welt : 150 Tage für den Hinflug

Lutz Haverkamp

Der Faktor Zeit ist das eigentliche Problem, um Menschen auf den Mars - und wieder zurück - zu fliegen. Denn der rote Nachbarplanet der Erde ist weit weg. Sehr weit weg. Wenn er der Erde am nächsten ist, beträgt die Distanz noch unvorstellbare 80 Millionen Kilometer. Da wirkt der Mond mit 385 000 Kilometern zum Greifen nahe. Eine bemannte Marsmission würde im günstigsten Fall die Astronauten zweieinhalb Jahre von der Erde trennen. Der organisatorische Aufwand wäre ohne Vorbild - die Kosten auch. Nach Berechnungen der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa würde ein Besuch auf dem Mars 400 Milliarden Dollar verschlingen.

Doch trotz aller logistischen, technischen und finanziellen Herausforderungen ist die Nasa bei ihren Planungen für einen Flug zum Mars weit fortgeschritten. Und dass eine Mission in nicht allzu ferner Zeit gestartet wird, ist so unwahrscheinlich nicht. Ein mögliches Szenario: In den Jahren 2016 und 2018 sind die Bedingungen vergleichsweise günstig. 150 Tage würde der Hinflug dauern, 110 der Rückflug. Dazwischen müssten die Raumreisenden 619 Tage auf dem roten Planeten verbringen, um den richtigen Abreisetag zu erwischen. Denn Erde und Mars bewegen sich unterschiedlich schnell um die Sonne und verändern ihren Abstand zueinander damit um viele Millionen Kilometer. Eine Mission ab 2016 bietet den beteiligten Nationen noch ausreichend Zeit, die letzten Fragen zu lösen - und das nötige Kleingeld zu besorgen.

Für eine solche Reise müsste die Technik so ausgereift und zuverlässig sein, dass sie in den zweieinhalb Jahren unter extremsten Bedingungen fehlerfrei arbeitet. Denn von der Erde ist nach dem Abheben keine Hilfe mehr zu erwarten. Dass das so einfach nicht ist, zeigen die zahlreichen gescheiterten Marsmissionen der Vergangenheit mit unbemannten Sonden.

Und komfortabel wäre für die Astronauten das ganze Unternehmen auch nicht. Denn das Gewicht der Raumfahrzeugs beeinflusst massiv die benötigte Energie. Nur das Wichtigste darf mit an Bord. Womöglich säßen die zukünftigen Marsbesucher den Großteil der Reise auf ein und demselben Sessel und würden - wenn überhaupt - durch ein Fenster ins dunkle Nichts starren. Denn viel zu sehen gibt es außer ein paar Gesteinsbrocken nicht. Die psychische und körperliche Belastung durch den enormen Zeitaufwand, die Strahlung im All und die fehlende Schwerkraft wären enorm - und heute kaum einzuschätzen.

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