Welt : 150 Tote durch Cholera in Haiti

Experten befürchten große Epidemie

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Immer mehr Infizierte schleppen sich in die Krankenhäuser des Landes. Foto: AFP
Immer mehr Infizierte schleppen sich in die Krankenhäuser des Landes. Foto: AFPFoto: AFP

In Haiti ist neun Monate nach dem schweren Erdbeben die Cholera ausgebrochen. Wie der Vorsitzende des Ärztebundes, Claude Suréna, in Port-au-Prince mitteilte, starben bislang 150 Menschen an der Epidemie. Weitere 1500 seien daran erkrankt und litten unter schwerem Durchfall. Besonders betroffen sind demnach die Orte Drouin und Saint Marc sowie mehrere kleinere Ortschaften entlang des Artibonite-Flusses, der durch Zentralhaiti fließt. „Die Laboranalysen haben ergeben, dass es sich in der Tat um einen Cholera-Erreger handelt“, sagte Suréna. „Die Hospitäler der Region sind voll mit Patienten“, bestätigte seinerseits der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Gabriel Timothe. „Wir sind dabei, einige von ihnen in andere Krankenhäuser auszulagern.“ 13 der analysierten 15 Proben hätten positiv auf Cholera reagiert, sagte Timothe. Die Regierung berief eine Krisensitzung ein und bestätigte erst am Freitagnachmittag offiziell, dass es sich um eine Cholera-Epidemie handelt. Ausgenommen von der Epidemie ist bisher die Hauptstadt Port-au-Prince, in der im Januar mehr als 250 000 Menschen bei einem Erdbeben ums Leben kamen und 1,3 Millionen obdachlos wurden. Die Mehrzahl der Opfer lebt weiterhin unter prekären hygienischen Umständen in Zeltlagern. Bei dem Beben wurden außerdem zahlreiche Krankenhäuser zerstört. Seither versorgt vor allem die internationale Gemeinschaft die Kranken in provisorisch errichteten Feldlazaretten.

Der Norden und das Zentrum, wo die Cholera ausgebrochen ist, waren vom Beben allerdings kaum betroffen. Nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium starben in den vergangenen Tagen 52 Menschen entlang des Artibonite-Flusses, 26 in Saint-Marc, 18 in Verette, drei in Mirebalais und 27 in Drouin. Vor dem Krankenhaus von St. Nicholas in Saint Marc warteten Menschentrauben. Die Polizei kontrollierte den Eingangsbereich. Krankenschwestern errichteten wegen des großen Ansturms ein Notlager unter freiem Himmel. Die Kranken wurden auf Decken gebettet und mit Infusionen versorgt. Es ist keine dauerhafte Lösung, da es während der aktuellen Regenzeit nachmittags meist zu Niederschlägen kommt.

„Ich habe Wasser getrunken und bin heute Nacht viermal auf die Toilette gerannt, um mich zu übergeben“, sagte der 70-jährige Belismene Jean Baptiste den Medien. Eine Sprecherin des Büros für humanitäre Angelegenheiten der UNO (OCHA) in Port-au-Prince verkündigte, Infusionen und Material, darunter Injektionsnadeln, in die betroffene Region zu schicken.

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