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19 Infektionen in Kieler Klinik : Fünf Menschen möglicherweise durch gefährliche Keime gestorben

In Kiel sind fünf Patienten des Universitätsklinikums womöglich an einem multiresistenten Keim gestorben. Aktuell sind 14 weitere Patienten mit den Bakterien infiziert. Der Erreger spricht auf praktisch kein Antibiotikum an.

Im Universitätsklinikum in Kiel sind fünf Menschen möglicherweise an einem multiresistenten Keim gestorben. 14 weitere Patienten sind aktuell infiziert.
Im Universitätsklinikum in Kiel sind fünf Menschen möglicherweise an einem multiresistenten Keim gestorben. 14 weitere Patienten...Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Ein gegen viele Antibiotika resistenter Keim hat sich im Universitätskrankenhaus in Kiel ausgebreitet. Bei fünf gestorbenen Patienten wurde das Bakterium nachgewiesen. Ob jeweils allein die Vorerkrankungen oder auch die multiresistenten Keime den Tod verursacht oder mitverursacht haben, sei eine offene Frage, sagte der Chef des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, Prof. Jens Scholz, zu dem Ausbruch.

Insgesamt infizierten sich mehr als 19 Patienten mit dem Erreger. Aktuell sei noch bei 14 weiteren Patienten das "Acinetobacter baumannii" nachgewiesen, das gegen vier wichtige Antibiotika-Klassen resistent ist. Die genaue Zahl aller bisher Infizierten wurde nicht genannt. „Wir haben angesichts der Kürze der Zeit noch nicht nachzählen können", sagte Klinikchef Scholz. Unterdessen wurde bekannt, dass der jüngste der verstorbenen Patienten 14 Jahre und der älteste 80 Jahre alt war. Das berichtete das NDR-Fernsehen unter Berufung auf die Klinik. Zuvor hatte es geheißen, die Toten seien zwischen 25 und 80 Jahre alt gewesen.

Klinikchef Jens Scholz sagte in der TV-Sendung, es sei nicht auszuschließen, dass weitere der 14 Patienten, die im Moment den Erreger in sich tragen, sterben könnten. Allerdings müsse dies nicht eine Folge des Keims sein, sondern ihrer ohnehin schweren Erkrankungen. Nicht alle Patienten bei denen das Bakterium nachgewiesen wurde, sind auch daran erkrankt.

Offenbar hat ein deutscher Urlauber den Keim schon im vergangenen Jahr aus der Türkei mitgebracht. Weil er bei seinem Eintreffen in der Klinik am 11. Dezember keine typischen Symptome gezeigt hatte, war auch keine spezielle Untersuchung auf Keime erfolgt. Eigentlich dachte die Klinik, das Problem schon gelöst zu haben. Eine erste Phase von Übertragungen des Erregers bei drei Patienten sei mit dem 3. Januar abgeklungen, aber dann sei in einem anderen Gebäudeteil ein zweiter Fall aufgetreten, hieß es - bei einem Patienten, der aus einem Krankenhaus in Mallorca kam. Die verantwortliche Hygieneärztin des Kieler Klinikums, Bärbel Christiansen, sagte, zwei völlig getrennte Fälle seien zwar denkbar, sie halte dies aber für sehr unwahrscheinlich. Man habe die Situation im Griff, betonte sie.

Die internistische Intensivstation der Kieler Klinik wurde für Neuaufnahmen bis auf weiteres geschlossen. Eine von insgesamt drei Einheiten der operativen Intensivstation wurde isoliert, um die dort liegenden Infizierten gesund zu pflegen. Die Stationen blieben geschlossen, bis die dortigen Patienten entlassen worden seien, hieß es. Mit einem umfassenden Screening wird nach weiteren möglicherweise Infizierten gesucht. Alle Räumlichkeiten und Geräte sollen gründlich desinfiziert werden.

Massive Kritik von Patientenschutz-Stiftung

Die Acinetobacter-Keime im Klinikum zählen zu den sogenannten MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern). Die Bakterien kommen im Wasser und in der Erde vor, für den Menschen sind sie normalerweise nicht gefährlich. Bei immungeschwächten Menschen können sie aber Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis verursachen. Handelt es sich um multiresistente Formen, ist die Behandlung erheblich erschwert, weil nur noch wenige Mittel überhaupt gegen die Infektion helfen.
Massive Kritik übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. „Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein“, sagte Vorstand Eugen Brysch. „Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen? Warum wurde die Behörde über die Infektion erst zwei Wochen später informiert?“

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Der Stiftung zufolgen sterben pro Jahr etwa 40 000 Menschen an Krankenhausinfektionen. „Davon wären 20 000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar“, sagte Brysch. Acinetobacter baumannii spielt in Deutschland bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er jedoch zu den wichtigsten Krankenhauskeimen überhaupt, vor allem auf Intensivstationen. Ausbrüche hierzulande gehen daher häufig auf Patienten zurück, die zuvor im Ausland behandelt wurden. Die Übertragung erfolgt über direkten Körperkontakt oder indirekt über Gegenstände, aber auch über die Luft. Die Erreger können lange in trockener Umgebung überleben. (dpa)

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