2.500 freie Stellen : Flüchtlinge sollen Bademeister werden

Deutschland droht ein Land der Nichtschwimmer zu werden, warnt der Präsident des Schwimmmeisterverbandes. Der Vorschlag, Geflüchtete auszubilden, stößt auf große Resonanz.

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Ein Bademeister hängt am 08.02.2016 in der Schwimmhalle Fischerinsel in Berlin Plakate mit einer Darstellung der Baderegeln der Berliner Bäderbetriebe im Comic-Stil auf.
Ein Bademeister hängt am 08.02.2016 in der Schwimmhalle Fischerinsel in Berlin Plakate mit einer Darstellung der Baderegeln der...Foto: dpa

Ein Bademeister sollte nicht nur Menschen vor dem Ertrinken retten können, sondern auch für Ordnung sorgen. Nicht vom Beckenrand springen, nicht die Mädchen ins Wasser schupsen, nicht mit Döner oder Bier ins Schwimmbecken gehen. Da ist auch Kommunikationsgeschick gefragt. Doch kaum noch jemand möchte Bademeister werden. Der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) beklagt, dass rund 2500 Stellen unbesetzt seien. Bewerber gebe es kaum. In NRW ist es besonders drastisch: Im Aquapark von Oberhausen kann der Betrieb nur schwer aufrecht erhalten werden. In Duisburg mussten sogar einige Hallenbäder schließen.

„Deutschland droht, ein Volk von Nichtschwimmern zu werden“, alarmiert BDS-Präsident Peter Harzheim. Deswegen will der BDS Geflüchtete zu Schwimmmeistern ausbilden lassen. „Eine integrative Maßnahme – alle würden davon profitieren." Die ausgebildeten Geflüchteten könnten zudem dazu beitragen, dass es in den Bädern seltener zu interkulturellen Konflikten kommt. "Oftmals ist es nämlich so, dass Frauen sich schon von einer Gruppe Migranten sexuell belästigt fühlen, nur weil diese sie anschauen. Solche Situationen könnten dann schneller entschärft werden", so der BDS-Präsident zu rp-online.de. Es wäre fahrlässig, diese Ressourcen nicht zu nutzen. SPD, Grüne und Linke in Nordrhein-Westfalen unterstützen den Vorschlag. „Menschen mit Mehrsprachigkeit können auch mögliche Missverständnisse schneller ausräumen“, sagte die NRW-Landessprecherin der Linkspartei, Özlem Demirel.

Seit Langem bestünde ein Mangel in diesem Bereich, sagt Josefine Paul von den NRW-Grünen. „Wichtig ist aber: Sexuelle Übergriffe sind keine Frage der Herkunft“, schiebt sie hinterher. „Zunächst müssen wir sehen, dass die Flüchtlinge schwimmen können. Deshalb müssen die bereits vorhandenen Angebote an Schwimmkursen ausgebaut werden.“

Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) gab es im vergangenen Jahr in Deutschland 488 Badetote - ein Viertel mehr als 2014. Die DLRG macht für diesen Anstieg auch die mehr als 400 Bäderschließungen verantwortlich, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Aus Spargründen sollen aber noch Hunderte folgen. Inzwischen haben auch Schulen Probleme, noch Schwimmzeiten in Lehrbecken zu bekommen. Im ländlichen Raum gibt es schon längst Schulen, an denen kein Schwimmunterricht mehr erteilt wird. Bundesweit können nach Angaben des DLRG 45 Prozent aller Kinder nach dem Ende der Grundschule gar nicht oder nicht richtig schwimmen.

 

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