24 Jahre Missbrauch : Familienvater legt Geständnis ab

Der unter Inzest-Verdacht stehende Familienvater Josef F. hat am Montag gestanden, seine Tochter 24 Jahre lang eingesperrt und missbraucht zu haben. Unterdessen hat das Entführungsopfer Natascha Kampusch ihre Hilfe angeboten.

Amstetten
Das Verlies der 42-Jährigen und ihrer Kinder. -Foto: dpa

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestätigte der 73-jährige Josef F. die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Danach hielt Josef F. seine heute 42 Jahre alte Tochter 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen. In dieser Zeit zeugte er mit seiner Tochter sieben Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt verstarb.

Die Affäre war am Wochenende aufgedeckt worden, nachdem eines der Kinder der eingesperrten Frau wegen einer ungeklärten Krankheit ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Auf der Suche nach der Mutter der 19-jährigen Patientin kamen die Ermittler auf die Spur des Kellerverlieses. Der Mann hatte nach Angaben der Polizei 1984 bei den Behörden erklärt, seine Tochter sei vermisst. Drei der sieben Kinder wuchsen bei ihrer Mutter im Kellergefängnis auf, drei weitere hatte der Mann offenbar unter einem Vorwand der Obhut
seiner eigenen Frau anvertraut.

Unterdessen hat Natascha Kampusch, die selbst acht Jahre lang in der Gewalt eines Entführers leben musste, angeboten, der Tochter und ihren Kindern zu helfen. Da sie die Situation der völligen Isolation aus eigener Erfahrung kenne, wolle sie der heute 42-jährigen Frau sowohl finanzielle Unterstützung zukommen lassen, als auch ein Gespräch mit ihr führen, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung.

Finanzielle Hilfe will Kampusch der Familie aus den Spendengeldern zukommen lassen, die sie nach ihrer Flucht von ihrem Peiniger für einen geplanten Hilfsfonds erhielt. Kampusch war 1998 im Alter von zehn Jahren entführt worden und acht Jahre lang von ihrem Kidnapper, Wolfgang Priklopil, in einem Kellerverlies festgehalten worden.

Den Zustand der 19-jährigen Tochter von E. bezeichnete der Leiter des Krankenhauses Amstetten als "kritisch, aber stabil". Die junge Frau war vor einer Woche bewusstlos ins Krankenhaus gebracht worden. Sie wird laut Reiter auf der Intensivstation beatmet, erhält Antibiotika und bekommt wegen einer Nierenschädigung eine Dialyse. E. sowie ihre fünf anderen Kinder sind ebenfalls in ärztlicher Behandlung. Alle sieben Patienten seien traumatisiert und stünden unter Schock.

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