250.000 Menschen ohne Strom : Banges Warten und viele Fragen

Heftige Schneefälle und stürmische Winde haben weite Teile des Münsterlandes über Tage von der Stromversorgung abgeschnitten und zum folgenschwersten Stromausfall in der deutschen Nachkriegsgeschichte geführt.

Eine Chronologie der Ereignisse:

Freitag, 25. November: In der Nacht zum Freitag beginnen die Schneefälle im Münsterland, im Laufe des Tages werden sie zu Stürmen. Gegen Mittag gibt es erste Stromschwanken, weil der Wind einzelne Leitungen gegeneinander schlägt, was zu Kurzschlüssen führt. Um 14.39 Uhr fällt in der Ortschaft Laer der Strom aus, die Uhr an der Volksbankfiliale bleibt stehen.

Samstag, 26. November: In der Nacht zum Samstag fegt der Sturm weiter über das Münsterland. Auf den Autobahnen geht nichts mehr, Züge kommen nicht an oder haben stundenlange Verspätungen. Der extrem nasse Schnee hat den Hochspannungsleitungen inzwischen so dicke Eispanzer umgelegt, dass sie unter dem Gewicht zu bersten drohen und fast bis zum Erdboden durchhängen. Eine Hauptleitung, die über die A 31 führt, muss gekappt werden. Im Laufe des Tages gehen für 130.000 Menschen die Lichter aus. Die Kreise Borken, Coesfeld und Steinfurt lösen Katastrophenalarm aus.

Sonntag, 27. November: Inzwischen sind 50 Hochspannungsmasten unter der Schneelast eingeknickt, weitere Leitungen ausgefallen. 250.000 Menschen sitzen in Dunkelheit und Kälte. Suppenküchen und Notquartiere werden eingerichtet. 400 Techniker des Netzbetreibers RWE und 4000 Freiwillige von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk arbeiten fieberhaft an der Behebung der Schäden. Die Situation auf den Straßen und Schienen entspannt sich allmählich. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) macht sich in Ochtrup, einem der Schwerpunkte des Stromausfalls, ein Bild von der Lage.

Montag, 28. November: Während sich die Lage im Krisengebiet allmählich entspannt, wird die Kritik am Netzbetreiber RWE lauter. Die Anlagen hätten den Lasten standhalten müssen, meinen Kritiker. RWE weist die Vorwürfe zurück. Den Technikern gelingt es, zunächst 200.000 Menschen wieder an provisorische Stromnetze anzuschließen. Später gibt es Rückschläge. Netze brechen zusammen. Eine Hauptleitung muss abgeschaltet werden, weil in Horstmar ein Mast auf eine Wohnsiedlung zu stürzen droht. Rund 250 Menschen müssen vorübergehend ihre Wohnungen aus Sicherheitsgründen verlassen.

Dienstag, 29. November: Die Lage entspannt sich. Ersatzleitungen und Notstromaggregate aus ganz Deutschland versorgen weite Teile des Münsterlandes mit Strom.

(tso/dpa)

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