Welt : 3,50 Mark für ein galaktisches Grundstück

THOMAS DE PADOVA

Reisebranche träumt von Mond-Touristen, doch: Wem gehört der Erdtrabant? VON THOMAS DE PADOVA

Ob güldene Sichel oder feuerroter Ball, der Mond läßt sich prächtig vermarkten: von Astrologen, denen sein Lauf die irdischen Geschicke bedeutet, oder von einem findigen amerikanischen Geschäftsmann, der die öde Gesteinsoberfläche parzellenweise, Hektar für Hektar, verkauft.In nicht mehr allzu ferner Zukunft, so hofft die Tourismusbranche, soll der Mond ferner auch den Reisenden erschlossen werden. Ernstzunehmende Marktanalysen in den USA belegten eine wachsende Nachfrage für solche Reisen, sagt Kenneth Clarke, einer der Organisatoren des im März in Bremen stattfindenden internationalen Symposiums für Raumfahrttourismus.Wissenschaft, Industrie und Entertainment seien gleichermaßen an dieser Entwicklung interessiert."Da steckt für alle eine ganze Menge Geld drin." Allerdings ist der Preis für eine Reise zum Mond ungemein hoch.Clarke schätzt die Kosten pro Kilogramm Transportmasse auf rund 50.000 Dollar (über 75.000 Mark).Leisten können sich das zur Zeit nur Milliardäre wie Sultan Ben Salman Al Saud, der als stiller Begleiter einer Forschercrew bereits eine Weltraumreise unternahm, um danach ihre völkerverbindende Facette mit den Worten auszuschmücken: "Am ersten Tag deutete jeder auf sein Land.Am dritten und vierten Tag zeigte jederauf seinen Kontinent.Ab dem fünften Tagen ..sahen wir nur noch die Erde als einen ganzen Planeten". An der verfügbaren Technik muß indessen heute selbst die Besiedlung des Mondes nicht mehr scheitern.So könne man aus silikathaltigem Mondgestein Gebäude auf wüsten Oberfäche errichten, sagt Harald Hoffmann, Wissenschaftler am Institut für Planetenforschung der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt."Es gibt außerdem mehrere Verfahren, mit denen Sauerstoff dort gewonnen werden kann." Dies sei zum Beispiel mit Hilfe einer Katatalyse aus Silikaten oder durch das Aufschmelzen von Eisentitanoxyd aus dem Mondboden mittels Sonnenkollektoren möglich.Jüngst hätte eine Raumsonde auch Wassereis in der Nähe des Mond-Südpols entdeckt. Abgesehen von einer amerikanischen Firma, die in Kürze einen Rover auf den Mond schicken will, mit dem "virtuelle Mondbesucher" unseren Trabanten befahren können, sei es aber mit dem Mond-Tourismus noch weit hin.Ein amerikanischer Geschäftmann handelt gleichwohl seit 1980 erfolgreich mit Grundstücken auf dem 400.000 Kilometer entfernten Himmelskörper: etwa 3,50 Mark kosten bei ihm 100 Hektar der von tiefen Kratern und Gräben durchzogenen Geröllwüste.Käufer findet der von den Bezirksbehörden von San Francisco autorisierte Mondbesitzer Dennis Hope genug, unter anderem soll der Schauspieler Burt Reynolds bereits mehrere tausend Mark für ein Mondgrundstück bezahlt haben. Martin Jürgens aus dem westfälischen Westerkappeln macht dem Amerikaner die Luna-Rechte streitig."Fakt ist, ich habe eine Schenkungsurkunde vom 15.Juli 1756, unterzeichnet von Friedrich dem Großen", sagt der 59jährige Rentner.Der Mondbesitz sei von seinem Urahn Aul Jürgens an die nächsten Generation weitergegeben worden.Wie das Institut für Luft- und Raumfahrtrecht der Universität Köln jetzt klarstellte, hat diese Schenkung aber ebensowenig Gültigkeit wie der Handel des Amerikaners."Der Mond gehört niemandem", betont Paul Michael Krämer.Nach dem mittlerweile von 91 Nationen unterzeichneten Weltraumvertrag von 1967 hätten weder Staaten noch Privatpersonen das Recht, sich den Mond oder andere Himmelskörper anzueignen.

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