• 4.500 Polizisten im Einsatz: Schwere Ausschreitungen bei Demo gegen Neonazis in Hamburg

4.500 Polizisten im Einsatz : Schwere Ausschreitungen bei Demo gegen Neonazis in Hamburg

In Hamburg gehen am Samstag Tausende gegen eine Neonazi-Kundgebung auf die Straße. Im Stadtteil Wansbek bleibt es bei Gegendemonstrationen und Sitzblockaden nicht ganz so friedlich.

Am Rande einer Großdemonstration gegen Rechts ist es am Samstag zu Ausschreitungen im Hamburger Stadtteil Wansbek gekommen. Die Polizei löscht brennenden Müll mit dem Wasserwerfer.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
02.06.2012 16:27Am Rande einer Großdemonstration gegen Rechts ist es am Samstag zu Ausschreitungen im Hamburger Stadtteil Wansbek gekommen. Die...

Ein Aufmarsch von Neonazis und schwere Ausschreitungen bei Gegendemonstrationen haben in Hamburg fast 4.500 Polizisten in Schach gehalten. Durch den Bezirk Wandsbek, wo die Rechtsextremen nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts am Samstagmittag marschieren durften, zog sich eine Schneise der Verwüstung, wie ein Augenzeuge dapd sagte. Gegner der Neonazis hatten Barrikaden und Fahrzeuge rund um den Eilbeker Weg in Brand gesteckt. Dort wollten der Polizei zufolge rund 700 Rechte entlang marschieren.

Bereits in der Nacht hatten Brandstifter elf Polizeifahrzeuge auf dem Parkplatz eines Hamburger Hotels angezündet, wo für den Einsatz zugereiste Beamte schliefen. Die Täter entkamen unerkannt. Am Vormittag dann trafen sich Tausende Gegner der Rechtsextremen im Bezirk Wandsbek. „Unsere primäre Aufgabe ist es, die Rechten und die Gegendemonstranten voneinander zu trennen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Zwtl.: Unübersichtliche Lage durch versprengte Gruppen Noch bevor die Neonazis, deren Anreise von der Polizei gesichert wurde, Wandsbek erreichten, griffen Gegendemonstranten Beamte mit Steinen und Böllern an. Acht Polizisten wurden der Sprecherin zufolge verletzt. Die Täter hätten zur linken Szene gehört.

Daraufhin kreisten Polizisten eine Gruppe von 500 bis 700 Teilnehmern ein und nahm sie in Gewahrsam, um Personalien aufzunehmen. Es wurden Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet.

Andere Gegendemonstrationen lösten sich in kleine Gruppen auf, die unkontrolliert durch die Straßen Wandsbeks zogen. Bis zu 3.000 Menschen waren es der Polizei zufolge. „Die Lage ist sehr unübersichtlich“, sagte die Sprecherin. Mit einem Polizeihubschrauber versuchten die Beamten, den Überblick von oben zu behalten.

Zwtl.: Polizei ändert Route wegen Gegendemonstranten Am Mittag erreichten die Neonazis ihren zentralen Kundgebungsplatz an der Pappelallee. Mit Sitzblockaden versperrten ihnen Hunderte Gegendemonstranten die geplante Route über den Eilbeker Weg. Die Polizei trug einige Blockierer weg und ging mit Wasserwerfern gegen sie vor. Doch der Widerstand war zu groß: Die Polizei änderte die Route der Rechten in Richtung Pappelallee. „Es waren einfach zu viele Gegendemonstranten am Eilbeker Weg“, sagte die Polizeisprecherin.

Derweil protestierten am Samstag aber auch Tausende Menschen friedlich in der Innenstadt gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen.

Am Morgen gab es eine Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit Polizeiangaben zufolge 3.000 Teilnehmern und eine Kundgebung des vom Senat unterstützten Bündnisses „Hamburg bekennt Farbe“ auf dem Rathausmarkt. Nach Polizeiangaben versammelten sich dort 10.000 Menschen. Es gab ein buntes Bühnenprogramm, Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hielt eine Rede.

Insgesamt waren am Samstag in Hamburg fast 4.500 Polizisten im Einsatz, davon 2.400 aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei. Das Ausmaß der Ausschreitungen war deutlich größer als die traditionellen Maikrawalle vor einem Monat. (dapd)

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