Welt : 450 000 US-Studenten haben 650 000 Schusswaffen unterm Bett - die Bombe tickt

Robert von Rimscha

Der jüngste Amoklauf in einem jüdischen Gemeindezentrum in Los Angeles hat Kritiker der lockeren US-Waffenbestimmungen erneut alamiert. Was viele nicht wissen: In den Universitäts-Wohnheimen und Studentenbuden Amerikas ticken 650 000 Zeitbomben. Soziologen, Kriminologen und Gesundheitswissenschaftler der Harvard-Universität haben sich angesehen, was Amerikas Studenten an Waffen horten. Es sind 650 000. So haben die USA seit der Veröffentlichung dieser Zahlen einen weiteren Grund, sich über Gewalt in Amerika die Köpfe heiß zu reden. 3,5 Prozent aller College-Studenten, in der Mehrzahl 17- bis 22-Jährige, haben mindestens eine Schusswaffe. Das sind 450 000 junge Amerikaner. Nicht mitgezählt wurden reine Jagdwaffen.

Die Quoten waren besonders hoch für Weiße, für Studenten, die nicht auf dem Campus wohnen (500 000 einzelne Waffen), für jene, die in den Südstaaten leben, einer Verbindung angehören oder durch Gewalttaten bereits aufgefallen sind. Vor allem aber fanden die Harvard-Forscher aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts, die 14 000 Studenten an 127 Colleges befragten, eine Korrelation zwischen Waffenbesitz und Alkoholmissbrauch. "Besorgniserregend", meinen die Autoren der Untersuchung, die im "Journal of American College Health" veröffentlicht wird.

Unter jenen Studenten, die als heftige Trinker eingestuft wurden, hatten gut doppelt so viele eine Schusswaffe mit Munition unterm Bett wie unter den Gelegenheitstrinkern und Abstinenzlern. Die Betten stehen oft in einem "dorm", einem Wohngebäude mit Zweipersonenzimmern auf dem Campus. 150 000 Waffen sind dort verstaut. Als heftige Trinker definiert die Studie jene College-Kids, die mindestens einmal pro Woche "binge" trinken. Dies wiederum bedeutet, bei einer "Sitzung" mindestens fünf alkoholische Getränke hintereinander zu konsumieren. Und in genau dieser Gruppe kommt es auch zu den meisten Delikten.

Der Kampf gegen Alkohol auf dem Campus ist in den USA während der vergangenen zwei Jahre zur nationalen Kampagne geworden, nachdem etliche Studenten sich zu Tode gesoffen hatten - oft bei den Initiationsriten für "fraternities" für junge Männer oder "sororities" für junge Frauen. Ein Dutzend US-Hochschulen hat jeden Alkoholbesitz verboten, andere halten "Bewusstseins-Seminare" ab oder verstärken die Wachgänge der College-eigenen Polizeieinheiten. Über drei Dutzend Verbindungs-Häuser quer durchs ganze Land wurden geschlossen.

Durch die Harvard-Studie kommen die Universitätsverwaltungen jetzt unter Druck, auch gegen den studentischen Waffenbesitz schärfer vorzugehen. Die meisten US-Bundesstaaten verbieten unter 18jährigen zwar den Kauf von Schusswaffen, nicht aber den Besitz. Für 18- bis 21-Jährige existiert in einigen Bundesstaaten ein Verbot des Kaufes von halbautomatischen Waffen.

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