Welt : 50 Tage im Pazifik

Experten sind sich uneins, ob sie die Geschichte von den geretteten Jungen glauben sollen

Wellington - Drei wochenlang verschollene Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren sind aus dem Pazifik gerettet worden. Die Jungen saßen in einem winzigen Boot und drifteten nach eigenen Angaben schon 50 Tage auf dem Meer, berichtete am Donnerstag die Schiffsbesatzung, die sie nordöstlich der Fidschi-Inseln aufgabelte.  Sie sollen am Freitag in der Fidschi-Hauptstadt Suva abgesetzt und im Krankenhaus untersucht werden. „Es war ein Wunder, dass wir sie gefunden haben“, sagte der Maat des Thunfischkutters „San Nikunau“, Tai Fredricsen, dem Sender Radio Neuseeland in einem Telefoninterview.

Samuel Perez, Filo Filo (beide 15) und Eduard Nasau (14) seien in erstaunlich guter Verfassung, berichtete er. Sie seien zwar ausgemergelt und von der Sonne völlig verbrannt. „Aber angesichts dessen, was sie durchgemacht haben, waren sie eigentlich ziemlich gut beieinander“, sagte Fredricsen. „Eigentlich brauchten sie nur ein bisschen Erste Hilfe: Salbe, um ihre Verbrennungen zu kühlen.“

Die Jungen hatten nach ersten Berichten ein paar Kokosnüsse an Bord und fingen Regenwasser zum Trinken auf. Irgendwann gelang es ihnen, eine Möwe zu fangen, die sie roh verspeisten, berichteten sie Fredricsen. Sie wurden mehr als 1300 Kilometer von ihrer Heimatinsel in den Tokelau-Atollen entfernt aus dem Meer gefischt.

Udo Fox, Leiter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, hielt den Bericht der Jungen für glaubwürdig. Man könne durchaus sehr lange ohne Nahrung überleben, sagte er. „Das Problem ist meistens das Verdursten und nicht das Verhungern“, sage Fox. Der Schlüssel zum Überleben sei nicht die gefundene Möwe. Entscheidend seien vielmehr das Regenwasser, die gute körperliche Verfassung der Schiffbrüchigen und ihr starker Überlebenswille gewesen.

Michael Krawinkel vom Institut für Ernährungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen war dagegen skeptischer. Ihm sei kein Fall bekannt, bei dem Menschen so lange ohne Essen überlebt hätten, sagte er. Völlig auszuschließen sei es aber nicht.

„Es hängt vom Ernährungszustand der Menschen ab“, sagte Krawinkel. Dicke Menschen könnten beispielsweise von ihren Fettreserven zehren und länger überleben als Dünne.

Die Jungen wurden seit dem 5. Oktober vermisst. Sie waren in einem kleinen Boot vor den zu Neuseeland gehörenden Tokelau-Inseln in See gestochen und nicht zurückgekehrt. Neuseelands Marine startete eine mehrtägige Suchaktion, blieb aber erfolglos.

Dass sie dann doch noch gefunden wurden, war reiner Zufall. Die „San Nikunau“ hatte in der Nähe von Kiribati gefischt. Normalerweise lädt sie ihre Ladung in Amerikanisch-Samoa ab. Ausnahmsweise war das Boot aber auf dem direkten Rückweg nach Neuseeland und hatte die schnellste Route ausgewählt. Insofern haben die Jungen großes Glück gehabt. dpa

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