• 60 Jahre Haft für Mord an Bürgerrechtler Ku-Klux-Klan-Mitglied nach 41 Jahren bestraft

Welt : 60 Jahre Haft für Mord an Bürgerrechtler Ku-Klux-Klan-Mitglied nach 41 Jahren bestraft

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New York Ein letztes Mal starrte der Angeklagte dem Richter unablässig in die Augen. Doch Marcus Gordon war ebenso unnachgiebig wie Edgar Ray Killen uneinsichtig. Gordon verurteilte den Organisator des Mordes an drei Bürgerrechtlern 1964 in Mississippi zur Höchststrafe von dreimal 20 Jahren Gefängnis. Das Alter des Angeklagten – Killen ist 80 Jahre alt – dürfe bei seiner Entscheidung keine Rolle spielen, sagte der Richter, außerdem müsse jedes der drei Leben gleich schwer wiegen. Eine Jury hatte Killen am Dienstag in Philadelphia, Mississippi, 41 Jahre nach der Tat, des dreifachen Todschlages für schuldig befunden.

Der Angeklagte beteuert seine Unschuld, sein Verteidiger kündigte Berufung an. Er wirft der Staatsanwaltschaft vor, sie hätte die Anklage nicht im letzten Moment von Mord auf Todschlag erweitern dürfen. Die Studenten Michael Schwerner und Andrew Goodman aus New York und James Chaney aus Meridian, Mississippi waren im „Freedom Summer“ (Sommer der Freiheit) 1964 mit mehr als tausend Bürgerrechtlern ausgezogen, um in dem von weißen Rassisten regierten Staat Schwarze als Wähler zu registrieren.

Der Ku-Klux-Klan reagierte mit brutaler Gewalt. Als das Trio am 21. Juni 1964 wegen eines angeblichen Verkehrsvergehens in Philadelphia im Gefängnis saß, trommelte Killen seine Klansmen zusammen, um ein Exempel zu statuieren. Kaum waren die Studenten auf freiem Fuß, stellte der Ku-Klux-Klan sie und erschoss sie. Die Bundespolizei FBI brauchte 44 Tage, um die mit einem Bulldozer fünf Meter tief unter einem Damm versteckten Leichen zu finden. Der Fall inspirierte 1988 den preisgekrönten Hollywood- Film „Mississippi Burning“. Von 18 Verdächtigen wurden damals sieben verurteilt, niemand verbrachte mehr als sechs Jahre im Gefängnis. Killen kam 1967 davon, weil sich die Jury nicht auf eine Verurteilung einigen konnte.

Er verbreitete weiterhin Angst und Schrecken, brüstete sich für seine Tat und wurde 1975 zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, weil er eine Frau über das Telefon bedroht hatte. Richter Gordon war damals der anklagende Staatsanwalt. Die späte Verurteilung ist das Verdienst einer neuen Generation von Staatsanwälten, die entschlossen sind, die düstere Geschichte des amerikanischen Südens aufzuarbeiten. Auch die Bürgerrechtler hatten die Hoffnung nie aufgegeben, dass die Verantwortlichen eines Tages zur Rechenschaft gezogen würden. Killen, im grell-gelben Gefängnisanzug, nahm das Urteil regungslos mit zusammengepresstem Mund auf. Einen Anflug von Reue zeigte er nie.

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