Welt : 61-Jähriger findet Filmpreise auf dem Müll

Der Unrat-Sammler hat nicht gewusst, dass die Trophäen gesucht wurden

Professioneller hätte keine Werbeagentur das Drama um die begehrtesten Filmpreise der Welt in Szene setzen können. Die Oscars tauchten in der Mülltonne auf, nachdem sie zuletzt auf einer Laderampe mit dem Spitznamen "Sesamstraße" gesehen worden waren. Der Finderlohn winkt einem 61-jährigen Mann, der mit dem Durchsuchen von Müll seinen Lebensunterhalt bestreitet und nun darauf hofft, sich eine goldene Nase verdient zu haben. Genau eine Woche vor der Oscar-Gala, die einer Milliarde Menschen weltweit die Glitzerwelt Hollywoods vor Augen führt, meldete sich Willie Fulgcar in der Nacht zum Montag bei der Fernsehstation KCBS in Los Angeles. Er war bei der Suche nach Umzugskartons auf 53 vergoldete Oscar-Statuen gestoßen. Zwei werden noch vermisst.

Fundort: Ein mit Pfützen und Dreck übersäter Parkplatz hinter einem billigen Supermarkt in dem abgeschabten Stadtteil Koreatown. "Ich habe mehr Oscars als irgendein Filmstar", witzelte der alte Mann, nachdem er den ersten, gewaltigen Schock überwunden hatte. Sein erster Reflex war, die Kartons mit den schimmernden Figuren in sein Auto zu stopfen. Dann kam er zu Besinnung und rief seinen Sohn herbei.

Ironie der Geschichte: der alte Mann wusste überhaupt nichts von dem Verschwinden der Trophäen, weil er die Zeitungen, mit denen er sich wärmt, nicht liest. Dabei hatte die US-Filmakademie, angeblich völlig aufgelöst wegen des Eklats, der bereits der zweite im Zusammenhang mit der bevorstehenden Oscar-Verleihung ist, sogar schon die amerikanische Bundespolizei FBI eingeschaltet.

Die Transportfirma Roadway Express setzte ebenso flugs eine Belohnung von 50 000 Dollar für die Wiederbeschaffung aus, um ihr Gesicht zu retten. Die 35 Zentimeter hohen und vier Kilogramm schweren Trophäen waren in der vergangenen Woche beim Versand vom Hersteller in Chicago nach Beverly Hills spurlos verschwunden. Seitdem werden bei R.S. Owens in Chicago kräftig Überstunden gemacht, um zumindest drei Dutzend nachzuliefern. Rund 20 Oscars hat die Filmakademie noch auf Lager.

Ob es sich bei der Oscar-Affäre um einen Werbetrick handelt, wie böse Zungen nach dem mysteriösen Verschwinden der vergoldeten Figuren behauptet hatten, ist durch den schnöden Fundort fraglicher geworden. Akademie-Direktor Bruce Davis hatte es bereits für einen "unerträglichen Gedanken gehalten, dass 55 echte Oscars an Souvenirjäger oder Sammler verkauft werden könnten". Es dürfte noch weniger nach seinem Gusto sein, dass ein Müllsammler sie aus dem Abfall fischte.

Ihre Echtheit ist mittlerweile bestätigt. Bis auf einen, den der Finder aus Neugier ausgepackt hatte, waren alle Statuen noch originalverpackt in Styropor und Plastik. Die Oscars rochen deshalb nicht nach Müll und sind dem ersten Eindruck nach in gutem Zustand. Dennoch bleiben sie vorerst bei der Polizei, um die Suche nach den Dieben zu erleichtern. Und könnte bedeuten, dass Hollywoods Beste bei der Gala in der Nacht zum kommenden Montag (27. März) wohl doch erstmals Ersatz-Oscars entgegen nehmen.

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