• 70 Tote bei Bahnunglück in China Die Strecke wurde einst von Deutschland gebaut

Welt : 70 Tote bei Bahnunglück in China Die Strecke wurde einst von Deutschland gebaut

Qingdao - Bei einem schweren Zugunglück sind am Montag in China 70 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte wurden verletzt. Ein Schnellzug von Peking in die Hafenstadt Qingdao sei aus ungeklärter Ursache entgleist und mit einem anderen Zug kollidiert, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Unter den Verletzten seien vier Franzosen, die mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht wurden. Es seien keine Ausländer ums Leben gekommen.

Das Unglück ereignete sich am Morgen um 4 Uhr 41 (Ortszeit) auf einer alten Bahntrasse zwischen Qingdao und Jinan, der Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Shandong. Insgesamt seien acht Wagen des Schnellzugs aus Peking sowie vier Waggons des zweiten Zugs entgleist. Augenzeugen berichteten laut Xinhua von Passagieren, die aus den Fenstern der entgleisten Waggons krochen und sich mit Bettwäsche aus den Schlafwagen gegen die Morgenkälte schützten. Eine 38-jährige Frau und ihre 13 Jahre alte Tochter berichteten, sie hätten zum Zeitpunkt des Unglücks wie die meisten Passagiere geschlafen. „Ich wachte plötzlich auf, als ich merkte, dass der Zug mit einem Ruck zum Stehen kam. Nach ein oder zwei Minuten ging es weiter, aber kurz darauf stürzte der Zug um“, erzählte die Frau.

Für den Unfall machten die Behörden menschliches Versagen verantwortlich, nannten aber keine Details. Zwei Eisenbahnfunktionäre wurden bereits entlassen, einen Terroranschlag schlossen die Behörden aus. 700 Ärzte und Krankenschwestern seien in den 19 Krankenhäusern der Umgebung mit der medizinischen Versorgung der Opfer beschäftigt.

Die ostchinesische Provinz Shandong war von 1898 bis 1918 die kleinste deutsche Kolonie. Für die deutsche Reichsmarine war die Hafenstadt Qingdao ein strategisch wichtiger Flottenstützpunkt. Um die Kohlevorkommen im chinesischen Hinterland optimal ausbeuten zu können, bauten die deutschen Kolonialherren unzählige Bergwerke und zwei Bahntrassen. Die Trasse zwischen Quingdao und Jinan haben die Deutschen von 1899 bis 1904 angelegt. Fast das gesamte Baumaterial dafür stammte aus Deutschland. Zwischenzeitlich arbeiteten 25 000 Chinesen an der Bahnlinie. Plänen zufolge soll die Trasse noch vor den Olympischen Spielen im Sommer für den Passagierverkehr gesperrt werden, eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke bis Ende Mai fertig sein. In Qingdao finden die olympischen Segelwettbewerbe statt.dpa/Tsp

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