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71 Tote nach Fußballspiel in Ägypten : Militärrat ordnet Staatstrauer an - Fußballverband aufgelöst

Nach den schwersten Ausschreitungen in der Geschichte des ägyptischen Fußballs hat der regierende Militärrat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Demonstranten werfen den Sicherheitskräften Versagen vor.

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01.02.2012: Tausende Fußballfans haben im ägyptischen Port Said nach einem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld gestürmt. Binnen weniger Minuten verwandelte sich das Stadion in eine Hölle, aus der es für viele Menschen kein Entrinnen mehr gab.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
01.02.2012 22:4901.02.2012: Tausende Fußballfans haben im ägyptischen Port Said nach einem Sieg ihrer Mannschaft das Spielfeld gestürmt. Binnen...

Nach den Fan-Ausschreitungen mit 71 Toten und mehreren hundert Verletzten in Ägypten hat der regierende Militärrat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Während einer Krisensitzung des Parlaments in Kairo gab Ministerpräsident Kamal al-Gansuri zudem bekannt, dass er den ägyptischen Fußballverband aufgelöst habe.

Zahlreiche Menschen protestierten in der Nacht zum Donnerstag in Kairo gegen die mutmaßliche Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte im Stadion. Vor dem Gelände des Fußballvereins Al-Ahly skandierten Aktivisten Parolen, in denen der regierende Militärrat kritisiert wurde. Hunderte versammelten sich zudem vor dem Hauptbahnhof, um aus der Mittelmeerstadt Port Said ankommende Verletzte zu empfangen. Auch in Port Said selbst kam es zu Protesten, in denen die Gewalt nach dem Ende des Erstligaspiels verurteilt wurde. Für Donnerstag wurde eine Demonstration vor dem Innenministerium in Kairo angekündigt.

Außerdem werden die Fragen nach einem politischen Hintergrund der Krawalle immer lauter. Das Parlament wollte am heutigen Donnerstag in Kairo zusammenkommen und über das „Massaker“ beraten. Die Muslimbruderschaft, die die stärkste Fraktion stellt, betonte in einem auf ihrer Website veröffentlichten Statement, dass Kräfte am Werk seien, die in enger Verbindung zu dem früheren Regime von Präsident Husni Mubarak stünden.

Sie riefen den regierenden Militärrat auf, alle Maßnahmen zum Schutz der Menschen in Ägypten zu ergreifen. Zudem müsse untersucht werden, welche Verantwortung die Polizei an der Eskalation trage. Ein für die öffentliche Sicherheit zuständiger Militärvertreter, Ahmed Gamal, wies in der Tageszeitung „Al-Tahrir“ jegliche Schuld zurück. Es habe einen guten Sicherheitsplan bei dem Fußballspiel gegeben, sagte er. Doch der Gewaltausbruch nach Abpfiff sei nicht mehr einzudämmen gewesen. (dpa/dapd)

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