• 80 sexuelle Übergriffe pro Jahr: Fast 400 mutmaßliche Sexualdelikte bei der Bundeswehr seit 2007

80 sexuelle Übergriffe pro Jahr : Fast 400 mutmaßliche Sexualdelikte bei der Bundeswehr seit 2007

Ein spektakulärer Vergewaltigungsfall bei der Bundeswehr sorgt für Aufsehen. Der Wehrbeauftragte hält Sexualdelikte bei der Truppe aber insgesamt für Einzelfälle. Im Schnitt werden pro Jahr 80 sexuelle Übergriffe oder Belästigungen gemeldet.

Die Vergewaltigung einer Soldatin in einer Kaserne in Niedersachsen hatte in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt.
Die Vergewaltigung einer Soldatin in einer Kaserne in Niedersachsen hatte in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt.Foto: dapd

Die Bundeswehr hat in den vergangenen fünf Jahren fast 400 Verdachtsfälle sexueller Vergehen erfasst. Alleine 2011 wurden nach 78 Übergriffe oder Belästigungen mit Beteiligung mindestens eines Soldaten registriert - von Vergewaltigungen über Kindesmissbrauch bis zu Verbalattacken. Darunter waren 30 mutmaßliche Vergehen von Soldaten an Soldaten.

Vier Mal wurden Soldaten der Vergewaltigung von Kameradinnen oder Kameraden verdächtigt oder beschuldigt. In zwei Fällen laufen die Ermittlungen noch. Ein Fall endete mit einem Freispruch, in einem Fall wurden die Ermittlungen mangels Beweisen eingestellt.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sprach von „Einzelfällen“. Zwar gebe es vermutlich eine Dunkelziffer. Er habe aber keinen Anlass, „von einem größeren Ausmaß an sexueller Belästigung oder sexuellen Übergriffen in der Bundeswehr auszugehen“, erklärte er.

Die Vergewaltigung einer Soldatin in einer Kaserne im niedersächsischen Bückeburg hatte in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. Die Fahndung nach dem Täter läuft noch.

Die Bundeswehr erfasst seit Jahren mutmaßliche Verstöße gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Die jährlichen Fallzahlen bewegten sich zwischen 2007 und 2011 relativ konstant zwischen etwa 70 und 90 pro Jahr. Insgesamt waren es in den fünf Jahren 395.
„Vergewaltigungen sind dabei eher die Ausnahme“, sagte Königshaus.

Zu den Opfern zählten auch Männer. Von den im vergangenen Jahr erfassten Vorwürfen hätten sich weniger als die Hälfte bestätigt. In vielen Fällen liefen aber noch straf- oder disziplinarrechtliche Ermittlungen. (dpa)

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