90. Geburtstag : Mandela ruft zum Kampf gegen Armut auf

Selbst an seinem Ehrentag appelliert Nelson Mandela an die Reichen dieser Welt, ihren Wohlstand zu teilen. "Madiba", wie er in seiner Heimat genannt wird, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Mit ihm feiern 500 Ehrengäste, darunter auch der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki.

Nelson Mandela
Nelson Mandela freut sich über die vielen Glückwünsche. -Foto: dpa

JohannesburgFriedensnobelpreisträger Nelson Mandela hat seinen 90. Geburtstag zu einem eindringlichen Appell gegen Armut und Ungleichheit genutzt. Im Gespräch mit Journalisten appellierte der ehemalige südafrikanische Präsident am Freitag an die Reichen, ihren Wohlstand mit denen zu teilen, "die nicht das Glück hatten, die Armut überwinden zu können". Begleitet von guten Wünsche aus aller Welt feierte Mandela seinen Geburtstag im engsten Familienkreis im Dorf Qunu im Osten Südafrikas, für Samstag wurden 500 Ehrengäste in seinem Heimtort in der Transkai erwartet.

"Madiba" fühlt sich geehrt

Landesweit wurden Konzerte, Feiern und ein Boxkampf zu Ehren des Anti-Apartheid-Kämpfers organisiert, der 27 Jahre im Gefängnis saß und in seiner Heimat liebevoll "Madiba" gerufen wird. Dass er als alter Mann und Pensionär so viele Geburtstagsglückwünsche erhalte, ehre ihn sehr, sagte Mandela in einer vom Hörfunksender SAFM verbreiteten Erklärung. Schließlich verfüge er weder über Macht noch über Einfluss. Er habe das Glück, 90 Jahre alt zu werden. Mandela gab zu bedenken, dass es in seinem Land viele Menschen gebe, die wegen ihrer Armut "höchstwahrscheinlich nicht alt" würden.

Der Friedensnobelpreisträger selbst feierte seinen Geburtstag in seinem Heimatort Qunu mit Verwandten, engen Freunden und seiner dritten Frau Graça Machel, mit der er am Freitag auch den zehnten Hochzeitstag beging. Vor seinem Haus war ein großes weißes Zelt aufgebaut worden, für das Festessen waren vor allem traditionelle Gerichte wie Kutteln und Schafsköpfe vorgesehen. Die Familie hatte außerdem "eine Überraschung" für den Jubilar vorbereitet, wie Mandelas Enkelin Ndileka.

Sogar der Präsident kommt zum Feiern

Am Samstag wurden rund 500 Ehrengäste in Qunu erwartet, darunter der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki und der Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob Zuma. Mbeki würdigte Mandela als "Inbegriff dessen, was Menschen für sich und für andere sein sollten". Der letzte Präsident des Apartheid-Systems, Frederik de Klerk, hatte seinen Nachfolger schon zuvor als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte den Jubilar in einem Beitrag für die "Frankfurter Rundschau" (Freitagsausgabe) als "Mann der Versöhnung für Südafrika", der Hoffnung in die Welt getragen habe. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering gratulierten Mandela in Brüssel und würdigten sein Eintreten für die Menschenrechte. Barroso freut sich nach eigenen Worten schon auf Mandelas 100. Geburtstag: "Das wird eine Party!" Der russische Präsident Dmitri Medwedew würdigte Mandela als "außergewöhnlichen Politiker" und "lebende Legende". (sg/AFP)

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