Konfrontiert mit dem Vorwurf des Rassismus hat sich der Dresdner Zoo entschieden, einem jungen Äffchen namens "Obama" einen anderen Namen zu geben.
Der Dresdner Zoo hatte einem neugeborenen Mandrill den Namen "Obama" gegeben. Die
Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland (ISD) nahm Anstoß daran und forderte die Umbenennung des Äffchens. Eine solche Namensgebung sei rassistisch. "Es ist eine Katastrophe", sagte der ISD-Vorsitzende Tahir Della am Freitag zur englischsprachigen deutschen Internet-Seite "The Local". "Schwarze Menschen werden immer wieder mit Vergleichen aus dem Tierreich und der Primitivität konfrontiert."
"Die Wahl sollte etwas Positives ausdrücken", sagte die Dresdner Tierpflegerin Manuela Collmar. Der Name solle den amerikanischen Präsidenten ehren auch anlässlich seines Besuchs in Dresden. Weder ihr noch ihren Kollegen sei klar gewesen, dass Affen in der Geschichte immer wieder als Karikatur und ethnisches Stereotyp für schwarze Menschen benutzt worden seien.
In einer Email an den ISD-Direktor schrieb Zoodirektor Karl-Heinz Ukena: „Die damit möglicherweise verbundenen Assoziationen sind bei der Namensgebung nicht bedacht worden und uns liegt ein rassistischer Duktus - dies auch vor dem Hintergrund, dass der US-Präsident erst kürzlich Dresden besucht hat - wirklich fern.“ Der Zoo habe seine "Wertschätzung" für Barack Obama ausdrücken wollen. Ukena entschuldigte sich für jedwede "Irritation", die der Name ausgelöst habe könnte.
Die ISD antwortete mit der Bitte, die Sache ernst zu nehmen und den Mandrill umzubenennen. Dieses Ansinnen blieb zunächst unbeantwortet, ein Anruf am Freitag ergab, dass der Direktor in Urlaub sei. Kurz darauf teilte der Zoo "The Local" mit, dass der Affe nun umbenannt würde.
„Wir werden ihn 'Okeke' nennen. Das heißt 'Der am Markttag geboren ist‘", sagte Annette Heine, die Sekretärin des Zoo-Direktors.
Gekürzte und übersetzte Fassung eines Beitrags aus "The Local". Das englische Original finden Sie hier.
Kommentare [ 61 ] Kommentar hinzufügen »
Ich dachte bei dem Namen zuerst an Osama... ;-)
Welche Tiernamen sind denn dann bitteschön unverfänglich?
Deutschland, wie es leibt und lebt. Wir gehen nochmal an der politischen Korrektheit, speziell der deutschen ein.
Vielleicht sollten die Medien die Angelegenheit eine Etage tiefer hängen, damit der Zoo nicht wirklich noch eine Klage wegen rassistischer Beleidigung an den Hals bekommt. Nach der Knut-Ablöse ist die finanzielle Lage dort sicherlich schon angespannt genug. :-)
Auweia, auch noch in Sachsen, neue Bundesländer. ;-)
Irgendwie muß mein Unterbewußtsein beim Verfassen des Kommentars diese heikle Angelegenheit mit Berlin assoziiert haben. Dabei ist bekanntlich ein regionales Gefälle an politischer Korrektheit in Deutschland eher gering ausgeprägt. ;-)
Hätten sie ihn Mohammed genannt, dann hätten wahrscheinlich schon unsere Botschaften gebrannt.
Das ist LÄCHERLICH !!!
Auch ich habe schwer den Eindruck, hier will sich mal wieder eine gut gemeinte Organisation wichtig tun, so bedeutungsvoll ihr Wirken sonst vielleicht sein mag. Heir geht es nur um Profilneurose, nichts sonst. Souverän wäre gewesen, sich mit der Klarstellung durch den Dresdner Zoo zufrieden zu geben und entspannt zu sagen: Na gut, wenn das so gemeint ist, ist ja alles ok.
na ja, wer hass sehen will wird mit sicherheit keine probleme haben ihn zu entdecken...
ob er dann nur sein bild des hasses sah oder hass...
Welche Namen von Politikern sind erlaubt und welche nicht?
Berggeist
Berggeist
Mehrerlei Kläffer
"Ich liebe Hunde. Mein erster hieß Doktor Martin Luther, da war ich noch Ministerin. Der 'Bayernkurier' machte damals eine Riesengeschichte: Es sei ein Zeichen der Verkommenheit der FDP, wenn man einen Hund so nennt. Ein Ausbund des Verfalls von Anstand und Sitte. Daraufhin war der Hund fast bekannter als ich."
Provenienz
Wer suchet, der findet. Steht in der Bibel und gilt auch für Anstößigkeiten.
Ansonsten stimme ich viminal zu.
http://www.southparkstudios.com/episodes/103581
Na dann ist ja alles klar! :D
Außerdem stellt sich mir die Frage (nicht auf Obama bezogen sondern allgemein) für wen es die größere Beleidung wäre: Für den Mensch oder für das Tier, meist tendiere ich ja zu letzterem.
Nebenbei bemerkt finde ich es mehr als unangemessen von der ISD, sich zu Obamas Interessenvertretung aufzuschwingen. Als Kind eines ethnisch gemischten Paares ist Obama ebenso Schwarzer wie Weißer. Das macht seine Integrationskraft aus und sollte ihn vor unangebrachter Vereinnahmung durch ethnische Einzelgruppen schützen.
Im Londoner Zoo wäre soetwas garantiert nicht passiert.
Die Verbindung von dunkelhäutigen Menschen mit Affen ist ein nun wirklich klassisches rassistisches Klische. Siehe Hooligans die schwarze Spieler mit Affenschreien "begrüßen". Das dies noch einer Erklärung bedarf ist erschreckend. Ebenso die peinliche Entgleisung unseres Finanzministers zu Ouagadougou - Schwarzafrika als Metapher für das Böse, klassisches rassistisch, koloniales Klische. Zum Glück gibt es inzwischen mehr Sensibilität was antisemitische Klisches betrifft (auch nur dank sei einer starken Lobby), was Umgang und Bewustsein zu Rassismus betrifft ist Deutschland noch Entwicklungsland.
Rassismus hat ebenso wie Antisemitismus eine lange Geschichte und in ihrer Verbreitung befinden sich viele überlieferte Klisches. Diese halten Antisemitismus und Rassismus in Stand. Beim Rassismus häufig aus der Zeit des Kolonialismus. Wo man sich in anderen Ländern (England, U.S.A., Niederlande)
schon länger damit auseinandergesetzt hat steht man in Deutschland noch am Anfang der Bewustseinsweckung. Bösen Willen unterstell ich dem Zoo nicht unbedingt, aber Mangel an Sensibilität wenn es um Rassismus geht. Das scheint für viele Neuland zu sein hier. So auch die vorgekommene irrsinnige Annahme von Staatsanwälten das ein Überfall nur rassistisch sein kann wenn der Täter einen organisierten rechtsradikalen Hintergrund hat. Rassismus an sich kennt (oder erkennt) er wohl nicht.
Ich rate nur sich einfach mal mit dem Thema auseinander zu setzen anstatt als weißer mainstream von oben herab andere zu kritisieren. Nicht wissen ist ein Ding, sein Unwissen hier aber auch noch so herablassend zur Schau zu stellen ist widerlich.
Wissen Sie, was ich jetzt einfach mal Ihnen (und Ihrem Mitstreiter vom Südkreuz) unterstelle - und zwar völlig unbedingt? Dass Sie vor Moral nur so triefen, und vor Selbstgerechtigtkeit noch dazu, wenn Sie diese banale Lapalie, bei der jemand den US-Präsidenten EHREN wollte, dazu benutzen, übereifrig auf Ihre eigene, hehre Einstellung und Ihre üüüberaus hohe Sensibilität anderen gegenüber - da haben Sie ja mit southcross genau den Richtigen an Ihrer Seite, der ist ja auch Musterbeispiel für Toleranz Anderen/Andersdenkenden gegenüber - hinzuweisen. Während die anderen natürlich alle tumbe, blinde Rassisten oder zumindest ein bisschen doof und deswegen latent anfällig für braune Ideen sind. Ist ja schliesslich jeder, der nicht rot-dunkelrot wählt - fragen Sie nur Ihren Mitstreiter, der bestätigt's Ihnen gerne.
Ich rate Ihnen ganz ungefragt etwas: Mehr Gelassenheit walten lassen und üben, üben, üben. Was? Ganz einfach: Die wirklich schlimmen Sachen, bei denen man einschreiten oder die man kritisieren, bei denen man als "anständiger" Bürger aufstehen und sich Gehör verschaffen, wo man für die Schwachen einstehen muss, von völlig unwichtigen Nebensächlichkeiten zu unterscheiden. Die Sache mit dem Äffchen gehört übrigens in die zweitgenannte Kategorie, worauf auch die Tatsache hinweist, dass dies hier die überwältigende Mehrheit der Kommentatoren so sieht.
An sich ein kleiner Vorfall, aber die Reaktionen hier zeigen wie viel sich im Bewustsein noch ändern muss. Das aufbauschen das hier kritisiert wird schein eher von einer anderen Seite zu kommen. Zu Recht wurde der Zoo kritisiert und hat zum Glück schnell reagiert. Der konkrete Fall ist damit erledigt, das Defizit im gesellschaftspolitischen Bewustsein das er offenbart bedarf noch vieler weiterer Anstrengungen.
"Ich finde das Thema Rassismus (und Antisemitismus) in Deutschland zu wichtig um es nur ins Lächerliche zu ziehen." schreiebn Sie und haben völlig recht damit.
Das Problem ist nur, dass Sie nicht kapieren, dass hier kein Rassismus vorliegt. Hier lag schlimmstenfalls Unwissenheit um die von Ihnen - zutreffend benannte und auch von vielen Kommentatoren inkl. meiner Person erwähnte - Tatsache vor, dass Affe in gewissen Zeiten bzw. von gewissen Kreisen gerne als herabwürdigendes Synonym für Schwarze verwendet wurde/wird.
Und nochmal: Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass hier irgendetwas aus einer - sei es auch nur noch so unterschwelligen - rassistischen Haltung heraus getan worden wäre. Und Ihre Unterstellung, es könne eine solche vorgelegen haben, ist ausgesprochen frech; von der Unschuldsvermutung scheinen Sie ausserdem auch noch nie etwas gehört zu haben. Mit ihr müssten Sie nämlich davon ausgehen, dass hier keiner Böses gewollt hat.
Affen-Karikatur löst Sturm der Entrüstung aus
Und der mittlerweile berüchtigte Makaka-Vorfall hat US-Senator George Allen sein Amt gekostet.
Macaca incident
Sowie Sybille ein guter Name für eine Giftspinne ist.
Eben: Nach-Denken.
War bei der Elbschlösschenbrücke genauso.
War, ist und bleibt "Tal der Ahnungslosen".
Nu?
Das tut echt weh.
Die Gruppe der Ahnungslosen scheint also nicht auf Dresden begrenzt zu sein.
egon sunsamu