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Interview

Der "Brot"-Raub: Das sagen die Hausbesetzer

Entführungsopfer "Bernd das Brot" bleibt verschwunden. Erfurter Hausbesetzer stehen im Verdacht, die zwei Meter große Figur des Kinderkanals aus der Erfurter Altstadt entführt zu haben. Grundlage dafür ist eine Videobotschaft, derzufolge die Fernseh-Figur von Personen entwendet worden sei, die das einstige Gelände der Firma "Topf & Söhne" besetzt halten. Tagesspiegel-Online sprach mit Jens (30), Hausbesetzer und Sprecher des Projekts "Besetztes Haus" in Erfurt.
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23.01.2009: Bernd das Brot will nur nach Hause. Der Erfinder der TV-Kultfigur, Thomas Krappweis, hat an die "Entführer" appelliert: Das depressive Kastenbrot habe schon "genug zu leiden" sagte er der SZ. Dabei wünsche er dem Brot wirklich mal Ruhe. "Wie ich ihn kenne, möchte er einfach nur nach Hause. Recht hat er." (AFP) - Foto: dpa

Zuallererst: Wann wird "Bernd das Brot" freigelassen?

Zu der Entführung kann ich nichts sagen, weil wir damit nichts zu tun haben. Wir wurden davon genauso überrascht. Die Idee finden wir aber natürlich spitze.

Ihr wisst aber schon, wer dahinter steckt?

Vielleicht. Das war auf jeden Fall jemand, der es sehr gut mit uns meint.

Und wie ist die Stimmung jetzt bei Euch im besetzten Haus?

Wieder etwas entspannter, weil die Räumungsfrist verlängert wurde, auf den 15. Februar. Damit haben wir drei Wochen mehr Zeit, ein neues Objekt zu finden und unsere Sachen zu packen.

Ihr wollt Euch in drei Wochen dann also tatsächlich geschlagen geben?

Wollen bestimmt nicht. Dazu ist das Projekt schon zu lange gewachsen, wir sind hier schließlich schon seit 2001. Wir werden also nicht freiwillig gehen. Die Polizei muss uns schon raustragen.

Die neuen Eigentümer haben am Mittwoch die Räumungsfrist ohne Folgen auslaufen lassen. Meinst du, das hat auch damit zu tun, dass „Bernd das Brot“ einen Tag vorher entführt worden ist?

Nein, die wollen schlichtweg die Konfrontation mit uns meiden. Außerdem scheint denen schon bewusst zu sein, dass die Räumung kein gutes Licht auf sie wirft. Sie erreichen damit nur, dass 25 Leute obdachlos werden – und das im Winter.

Und was wollt Ihr mit Euerm Projekt erreichen?

Unser Ziel ist, weiterzumachen, wenn nicht hier, dann irgendwo anders, wo die Rahmenbedingungen stimmen und wo wir vor allem ausreichend Platz haben.

Und was ist die Idee dahinter?

Antifaschismus, Antisexismus.

Die Immobilie, die Euch die Stadt Erfurt angeboten hat, lehnt Ihr ab. Warum?

Das Objekt der Stadt Erfurt ist viel zu klein. Wir müssten dann alles auf die Hälfte reduzieren, nicht nur den Wohnraum selber, sondern auch unseren Umsonstladen, das Kino, die zwei Konzerträume, die Proberäume, den Infoladen, die Sporthalle und die Werkstatt. Wir hätten einfach nicht genügend Platz. Außerdem bekommen wir das Objekt nur unter der Bedingung, dass wir einen Verein gründen. Damit würden wir uns aber in Strukturen drängen lassen, die uns widersprechen. Denn ein Verein bedeutet zumindest formell Hierarchie und die lehnen wir ab.

Auf dem Gelände soll jetzt ein Geschichtsort entstehen, zur Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus, speziell an die Firma Topf & Söhne, die hier die Öfen für die Krematorien von Konzentrations - und Vernichtungslagern gebaut hat, etwa für Buchenwald und Auschwitz. Wollt Ihr mitmachen?

Nein. Wir wüssten nicht, wie wir uns da einbringen können. Wir haben eine andere Herangehensweise. Wir wollen nicht nur ein Haus, sondern das ganze Gelände als Geschichtsort. Und wir wollen die Leute hier herumführen und mit dem Thema an sich konfrontieren, auf ihre Fragen eingehen, sprich eine lebendige Auseinandersetzung.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) bezweifelt, dass Ihr durch solche Aktionen wie die Entführung von "Bernd das Brot" Euer Image verbessert.

Wir müssen gar nichts verbessern. Wir bekommen viel Unterstützung, etwa von der Projektgruppe "Erfurt im Nationalsozialismus", mit denen wir gemeinsam Führungen übers Gelände machen. Außerdem von der evangelischen Kirche, der DGB-Jugend und der Links-Partei. Unser Image wird sich bestimmt nicht verschlechtern, im Gegenteil.

Der Programmgeschäftsführer des Kinderkanals Steffen Kottkamp hat gesagt, dass Bernd, wenn überhaupt, den Ki.Ka-Zuschauern gehört. Was meinst du dazu?

Keine Ahnung. Das ist uns echt Wurst. Bernd gehört sich selbst.

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