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Zugefroren

Hiddensee – ein Wintermärchen

Viele liefen am Sonntag über den zugefrorenen Bodden – und achteten nicht auf den Eisbrecher. An einen regulären Verkehr mit einem Fährschiff über den sechs Kilometer breiten Bodden ist trotz des Eisbrechers in den nächsten Tagen nicht zu denken.
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Der Hafen von Vitte auf der Ostsee-Insel Hiddensee ist völlig vereist. - Foto: dpa
In Scharen liefen die Menschen am Sonntag von Rügen aus über den zugefrorenen Bodden nach Hiddensee. Es ist ein Wintermärchen, wie es höchstens alle zehn Jahre einmal zu erleben ist. Mit glänzenden Augen machten sich die Menschen auf den Weg, viele kamen mit ihren kleinen Kindern. Nun gibt es in Märchen immer auch etwas Gefährliches. So auch hier. Nur etwa 600 Meter von dem Weg der Menschen entfernt erkämpfte sich der Einsbrecher „Grömitz“ am gestrigen Nachmittag den Weg von Rügen nach Hiddensee. Die Wanderer ließen sich nicht beeindrucken. Sie hatten keine Angst, dass der Eisbrecher auch das Eis unter ihren Füßen brechen könnte.

An einen regulären Verkehr mit einem Fährschiff über den sechs Kilometer breiten Bodden ist trotz des Eisbrechers in den nächsten Tagen nicht zu denken. Das einzige eisbrechende Passagierschiff fiel am vorvorletzten Donnerstag mit Motorschaden aus. Es konnte trotz aller Versuche nicht an Ort und Stelle repariert werden. Deshalb wurde es am Sonntag über die Ostsee zur Werft nach Rostock gezogen, wo nun mit Hochdruck an der Behebung des Schadens gearbeitet wird. So lange sind die derzeit etwa 800 Menschen auf der Insel weiter auf die Dienste einer privaten Hubschrauberfirma angewiesen. Er flog gestern zum Ticketpreis von 50 Euro zahlreiche Personen von Hiddensee nach Schaprode auf Rügen, wo die Weiterfahrt in Bussen oder mit dem Auto angetreten wurde.
Fotostrecke: Winter an der Ostsee (10 Bilder)


Die Polizeieinsatzstelle auf Rügen erklärte, sie sei nicht in der Lage, die vielen Menschen davon abzuhalten, über den gefrorenen Bodden zu laufen. „Das Eis ist doch mehr als einen halben Meter dick und die Fahrrinne mehr als 600 Meter entfernt“, gab sich eine Frau aus Stralsund sehr mutig. Andere begaben sich mit Schlitten auf den Weg, auf denen sogar kleine Kinder saßen. Selbst mit Ponys machten sich die Betreiber eines auf Rügen ansässigen Pferdehofes auf den Weg. „So eine Gelegenheit kommt vielleicht so schnell nicht wieder“, sagte eine Pony-Führerin. 

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 08.02.2010)
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