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Jane Fonda

Alle zehn Jahre ein neues Leben

Jane Fonda feiert ihren 70. Geburtstag. Sie hat schon viele Rollen in ihrem Leben gespielt. Von der Polit-Aktivistin bis zur Fitnessqueen - in der Rolle der "Barbarella" wurde sie zur außerirdischen Sexbombe.
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Jane Fonda als "Barbarella". - Foto: Cinetext
Sie war Barbarella, Polit-Aktivistin, Milliardärsgattin und Fitnessqueen. Jane Fonda, die heute ihren 70.Geburtstag feiert, verkörperte in ihrem Leben viele Rollen. Langweilig wurde es ihr dabei nie. „Solange ich mich verändern kann, gibt es Hoffnung“, erklärte Jane Fonda einmal ihren Hang zu den unterschiedlichsten Inkarnationen. Nun scheint sich der Kreis zu schließen.

Denn in den vergangenen Jahren fand die Tochter Henry Fondas, Schwester von Peter Fonda und Tante von Bridget Fonda, zurück zu den Wurzeln der Schauspielerfamilie. Sie war vor zwei Jahren in „Das Schwieger-Monster“ zu sehen. In ihrem letzten Film „Georgia Rule“ liest sie ihrer Enkelin (Lindsay Lohan) als Großmutter die Leviten. Eine Großmutter, die sie im wirklichen Leben tatsächlich ist, die man ihr aber nicht ansieht – trotz des reichlich bewegten Lebens. „Viel Sex“, so erklärte sie einer naseweisen Journalistin vom „LA Weekly“ neulich, trage zu ihrer guten Figur bei – neben Krafttraining und Yoga versteht sich.

Diese Antwort passt zu einer Frau, die in den 60er Jahren mit dem Film „Barbarella“ zu einer außerirdischen Sexbombe aufstieg. Die in den 70er Jahren vehement gegen den Vietnamkrieg protestierte, Nord-Vietnam besuchte und sich dort lächelnd auf einer Flugabwehrkanone sitzend ablichten ließ. Ein Photo, das ihr viele noch heute in den USA nachtragen und das ihr den Schimpfnamen „Hanoi Jane“ einbrachte. Es passt zu einer Frau, die in den 80er Jahren mit Videos eine Fitnesswelle lostrat und Mittelschichtsfrauen aufforderte, ihre Bauch- und Schenkelmuskeln zu bewegen. Frauenpower, so erklärte sie allen Ernstes, begänne bei den Muskeln. Ganz nebenbei stampfte sie selbst ein millionenschweres Fitness-Imperium aus dem Boden. Um all dies in den 90er Jahren hinter sich zu lassen und den Milliardär und Gründer des US-Nachrichtensenders CNN, Ted Turner, zu heiraten. Aber auch diese Ehe, ihre dritte, hielt den ständigen Veränderungen – ihm Zehnjahresrhythmus – nicht stand und wurde 2001 geschieden. In der Zwischenzeit erklärte sie sich zur Verwunderung aller zur wiedergeborenen Christin. Eine Frau, der an Religion zuvor nie gelegen war.

Geboren wurde sie am 21. Dezember 1937 in New York. Die Schauspielerei wurde ihr in die Wiege gelegt, auch wenn sie bei der Großmutter aufwuchs. , Ihre Mutter, Frances Brokaw, hatte sich das Leben genommen, zu furchtbar war die Ehe mit Hollywoodstar Henry Fonda. Auch seine Tochter soll große Probleme mit ihm gehabt haben. Jane war gerade 12 Jahre alt, als sie die Mutter verlor. Sie ging auf das Höhere-Töchter-College Vassar in Paris, studiert dort Musik und Malerei und träumte von einer Karriere als Journalistin. Greta Garbo, mit der sie eines Tages als 20-Jährige im Pool paddelt, fragt sie: „Willst Du Schauspielerin werden?“ Eine Frage, die sie trotz ihrer Herkunft, gründlich irritiert. Jane Fonda, die noch heute eine gertenschlanke Figur besitzt, hielt sich nämlich, so schreibt sie in ihren Memoiren, für fett, unansehnlich und gewöhnlich. „Plain Jane“ eben. Dass sie bis ins vierte Lebensjahrzehnt mit Essstörungen lebt, erfährt die Öffentlichkeit erst viel später.

Wie die Tatsache, dass Gefühle in ihrem Elternhaus tabu waren. Sie vergöttert ihren unnahbaren Vater, muss aber mit Brosamen seiner Zuneigung leben.

Das Schauspiel-Handwerk erlernt sie schließlich im berühmten New Yorker Actors Studio von Lee Strasberg.

1960 dreht sie ihren ersten Kino-Film „Tall Story“ und wird von den Kritikern als „beste Nachwuchsschauspielerin“ gefeiert. Regisseur und erster Ehemann, Roger Vadim, macht sie mit dem erotischen Science-Fiction-Streifen „Barbarella“ (1967) weltberühmt. Vadim, der aus ihr ein Bardot-ähnliches Sexsymbol machen will – er selbst war zuvor mit Brigitte Bardot verheiratet – kann ihr zuletzt aber nur noch „ein lustiges aber leeres Leben“ bieten.

Nun folgen die aufregendsten und umstrittensten Jahre. Sie trennt sich von Vadim, mit dem sie eine Tochter hat, und heiratet den linken Politiker Tom Hayden. Aus Fonda wird eine radikale Feministin und eine Kriegsgegnerin, was sie Anfang der 70er Jahre, als die USA die größter Schmach ihrer Geschichte in Vietnam erleiden, zu einer Vaterlandsverräterin macht. Ihre offene Sympathie für den Vietkong bereut sie später. „Es hat so viele Soldaten verletzt. Es schuf soviel Feindseligkeit. Es war so gedankenlos.“

Das Land ehrt die kontroverse Actrice dennoch mit ihrem zweiten Oscar für „Coming Home“ (1978), ein Film, der sich mit den Folgen des Vietnamkrieges auseinandersetzt. Ihren ersten Oscar erhielt sie für „Klute“ (1971), in dem sie eine Prostituierte spielt. Nur einmal steht sie mit ihrer Vater vor der Kamera: 1981 in „On Golden Pond“, als dieser schon schwer krank ist. Er stirbt wenige Monate später.

Dann erfindet sie sich neu, lässt die zerzauste Rebellin hinter sich und ersetzt sie durch eine aufgedrehte Fitness-Queen. Der Profit daraus fließt in die Kampagnen ihres Mannes und linksgerichtete Organisationen. Doch nach 17 Jahren ist auch die Ehe mit Hayden zu Ende. Fonda zieht sich aus dem Rampenlicht zurück und kündigt 1992 an, dass sie ihre Schauspielerei an den Nagel hänge, um sich ihrem neuen Gatten, Ted Turner, zu widmen. Auch dieser Ehe sagt sie zehn Jahre später adios.

Ganz Abschied nimmt sie jedoch nie von ihren verschiedenen Leidenschaften. Nach ihren Bestseller-Memoiren denkt sie an ein zweites Buch, eine erotische Novelle über eine Frau im siebten Jahrzehnt. Das überrascht nicht. Ihr Memoiren haben den schlichten Titel „My Life so far“ – Mein Leben, bislang“.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.12.2007)
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