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Technik zum Spitzeln

Überwachen - das kann doch jeder

Beobachten, kontrollieren, schikanieren: Nicht nur das BKA ist auf dem Stand der Technik. Ausgefeilte Überwachungssysteme sind im Handel erhältlich.
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Big Brother bald auch in der Wohnung? - Das BKA hat einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Foto: dpa
James Bond im heimischen Wohnzimmer: Kaum hat sich die Diskussion über Onlinedurchsuchungen etwas beruhigt, soll das BKA nicht mehr nur Wanzen, sondern auch Minikameras in Wohnungen einsetzen dürfen. Auch unbescholtene Bürger sollen ins Visier der Fahnder geraten, wenn in ihrer Wohnung Verdächtige verkehren.

Ist es technisch möglich, die Bürger in ihren Wohnungen effektiv zu überwachen und ihre Tätigkeiten und Verrichtungen zu filmen, ohne dass sie das merken?

Die Antwort lautet: Ja. Überwachungssysteme mit einer ausgefeilten Tarnung sind längst auf dem Markt. Es ist ja nicht nur der Staat, der ein Überwachungsbedürfnis hat. Auch viele normale Bürger möchten gerne andere Menschen beobachten, überwachen, kontrollieren und schikanieren: Eheleute, die ihre Partner beim Fremdgehen überführen wollen. Hausbesitzer im Nachbarschaftsstreit. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern hinterherschnüffeln. Die Technik dafür ist vorhanden. Zu kaufen gibt es Minikameras zum Beispiel bei Onlineanbietern wie Alarm.de, Topsicherheit.de oder 007spyshop.de. Diese Firmen haben sich auf den Handel mit Überwachungstechnik spezialisiert. Importiert werden die Geräte meist aus China, zu haben sind Minikameras schon für unter 20 Euro. Etwas teurere, aber noch immer erschwingliche Modelle kommen aus Taiwan oder Korea.

„Die Kameras haben heute die Größe von einem Ein-EuroStück“, erklärt Waheed Lodhi von der Firma Hitec Security. Weil sie so wenig Platz brauchen, können die Kameras mühelos in die Gehäuse alltäglicher Gebrauchsgegenstände eingebaut werden. Die Firma Hitec Security verkauft fertig getarnte Kameras, die nur noch montiert werden müssen. Im Sortiment finden sich Rauch- und Bewegungsmelder neben funktionstüchtigen Wanduhren mit dem entsprechendem Innenleben. Meist sind auch Mikrofone für Tonaufnahmen in das Gerät eingebaut. Sogar im Fernseher oder im Videorecorder kann eine Kamera versteckt werden, manchmal sind die Minispione auch hinter kleinen Löchern in der Decke verborgen. Und trotz ihres Zwergenformats haben die Geräte viel im Blick. Mit Winkeln von bis zu 185 Grad haben die moderneren Objektive einen enorm großen Überwachungsbereich.

Grundsätzlich werden die kleinen Späher in zwei Varianten angeboten: Der Privatkunde darf hierzulande nur kabelgebundene Kameras verwenden, seit 2004 ist der Einsatz getarnter Funkkameras in Deutschland verboten. Solche Geräte dürfen die deutschen Shops nur in andere Länder mit weniger strengen Gesetzen verkaufen. Auch ist die Bildqualität gewöhnlicher Funkkameras derzeit noch unausgereift, besonders in schwach beleuchteten Räumen lässt sich wenig erkennen. Weil das so ist, verwenden die Behörden nach Einschätzung von Brancheninsidern ihre eigene Technik, die sie von professionellen Entwicklern anfertigen lassen. Das Bundeskriminalamt wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.04.2008)
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