Beim G-8-Gipfel ließ das World Food Program Kinder aus Ghana einfliegen, damit Politikerfrauen sie füttern konnten. Es ist eine der teuersten Veranstaltungen eines UN-Organs.
Skandal um das World Food Program (WFP): Beim G-8-Gipfel im Juli flog die UN-Hilfsorganisation aus Werbezwecken arme afrikanische Kinder ein, damit die Ehefrauen der angereisten Toppolitiker diese mit Brei füttern konnten. Dies berichtet die ansonsten recht zahme, dem staatlichen schwedischen Entwicklungshilfedienst Sida angehörende, Zeitung „Omvärlden“ am Dienstag.
Für den Gipfel waren die politischen Spitzen aus 28 Ländern und zehn internationale Organisationen nach Italien gekommen. Neben Themen wie dem Welthandel, Klima und der Wirtschaftskrise sollte auch über die Entwicklung des afrikanischen Kontinents und den Mangel an Nahrungsmitteln diskutiert werden.
WFP wollte die Gelegenheit nutzen, auf Hungerkrisen in Afrika aufmerksam zu machen. Etwas sollte bei den Entscheidungsträgern hängen bleiben – auch emotional. Es folgte eine im Nachhinein heftig umstrittene Werbeveranstaltung für Afrikas Interessen. Statt die völlig ausgebuchten Staatschefs einzuladen, wurden deren ebenfalls angereiste Ehefrauen in die WFP-Zentrale eingeladen. Sie sollten eine eigens für dieVeranstaltung eingeflogene Gruppe von armen Kindern aus Ghana treffen. Die Kinder sollten den Politikerfrauen erzählen, wie WFP ihnen geholfen hat. Doch es sollte anschaulicher werden. In einem Zelt, dass direkt neben dem Mitarbeiter-Swimmingpool der WFP-Zentrale stand, wurden laut „Omvärlden“ Sarah Brown, Margarita Barroso und andere Damen mit bekannten Nachnamen (Michelle Obama und Carla Bruni-Sarkozy sollen übrigens nicht teilgenommen haben) eingeladen, die Kinder mit großen Kellen zu füttern. Auf dem Menü stand der von der WFP bei Hungerkrisen bevorzugte Sojamaisbrei.
Die Schulkinder mit ihren gelben Pfadfinder-Uniformen und akkurat gebundenen roten Halstüchern machten höflich mit. Natürlich waren sie nicht hungrig. Aber man hoffte wohl, dass sich die Politikergattinnen später stärker an das Hungerproblem in Afrika erinnern würden als etwa beim Durchschneiden einer Schnur zur Eröffnung einer neuen Brücke.
Laut der Internetzeitung City Press, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die UN kritisch zu überprüfen, handelt es sich bei der Veranstaltung um eine der teuersten, die ein UN-Organ seit langem arrangiert hat. Sicherheitsmaßnahmen für die Ehefrauen, Auswahl und Flugtransport der Kinder und andere Kosten kosten Inner City zufolge rund 500 000 Dollar. Laut WFP waren es nur 219 000 Euro.
Ein Sprecher des schwedischen Entwicklungshilfedienstes verurteilte die Veranstaltung am Donnerstag. Bei WFP dauerte es lange, bis sich ein Sprecher fand, der zu einem Interview bereit war. „Wir wollten den First Ladies auf die Bitte der italienischen Regierung an uns, etwas im Rahmen des G8-Treffens zu machen, eindrücklich demonstrieren, womit wir konkret arbeiten, statt ihnen nur unsere Büroräume zu zeigen“, sagte ein Sprecher schließlich. Es tue ihm leid, wenn jemand dies falsch verstanden hätte. Er sehe nichts Ungewöhnliches oder Unmoralisches an der Veranstaltung. Einige First Ladies hätten zwar Essen ausgegeben, es aber neben die Kinder auf den Tisch gestellt. Von einer regelrechten „Fütterung“ könne keine Rede sein. Die Frauen hätten auch selber von dem Brei probiert.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.10.2009)
Kommentare [ 5 ] Kommentar hinzufügen »
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Muss ja auch toll sein für die Kinder: Da werden sie mal nach Italien geflogen, damit sie dort denselben Bei bekommen, den sie sonst auch jeden Tag essen müssen/dürfen (wenn sie Glück haben und es etwas zu essen gibt).
Hoffentlich haben sie wenigstens ein paar Kugelschreiber mit "UN"-Aufdruck geschenkt bekommen....
...................wrzlbrmft
*würg*
Vor allem, wenn man bedenkt, daß viele europäische Staaten und die USA dafür sorgen, daß es da nichts zu essen gibt:
Z.B. Billigimporte (durch EU gefördert) von Geflügel, die den heimischen Markt kaputtmachen.
Der Kaffeepreis, der den Bauern/Pflückern gezahlt wird.
Die Abhängigmachung von Saatgut und Technik aus EU und USA usw.
Also, Leute!
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Wie viel Essen hätte man den Kindern und deren Familien davon kaufen können.