[Kommentare: 0]

Witziger als der Gegner

Michael Moore ist auf Deutschlandtour - mit neuem Buch
Anzeige
Bild vergrößern
Berlin/New York (dpa/Tsp). Freitag ist MooreTag. Dann heißt es „Volle Deckung, Mr. Bush!“ Leuchtend gelbe Bücher mit diesem Titel werden stapelweise in der Nähe der Kassen deutscher Buchhandlungen liegen. Rund 200000 Exemplare und damit praktisch die gesamte erste Druckauflage der neuen Politsatire von Michael Moore hat der Piper Verlag bereits ausgeliefert. Auch die neue Schimpfkanonade des oscargekrönten Dokumentarfilmers („Bowling for Columbine“) auf das Bush-Amerika wird auf den deutschen Sachbuch-Bestsellerlisten rasch nach oben klettern. Sie wird zwei Spitzenreiter verdrängen – Michael Moores „Stupid White Men“ und Michael Moores „Querschüsse“.

Jetzt kommt er selbst nach Deutschland. Leibhaftig tritt das „Zugpferd des populistischen Antiamerikanismus“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ ihn nannte, vor seine gläubigsten Anhänger, die Deutschen. Ab Sonntag wird er in vollen Hallen Tausende in ihren Urteilen gegen Amerika und gegen den „Haufen, der bei uns regiert“ bestärken. Seine Deutschlandtour beginnt er in Berlin, danach geht es nach Hamburg, Köln, Augsburg und München.

Mehr als ein Viertel der weltweiten Auflage von vier Millionen Exemplaren seiner ebenso ironischen wie oberflächlichen Kampfsatire „Stupid White Men“ haben ihm allein die Deutschen abgekauft. Setzt man den Absatz in Relation zur Bevölkerungszahl, wird klar, dass Moore nirgendwo auf der Welt eine größere Fanbasis hat, als in der Bundesrepublik. Kein Wunder, dass er eigens für die deutsche Ausgabe von „Volle Deckung, Mr. Bush!“ ein Vorwort geschrieben hat. Es beginnt so: „Seid gegrüßt, meine deutschen Freunde, stolze Überreste des alten Europa und Anführer der Koalition der Unwilligen!“ Die Moore-Methode besteht im pointierten Zurechtbiegen von Fakten und Halbwahrheiten, der Anhäufung suggestiver Fragen und Behauptungen anstelle echter Belege.

Das linke Lager in den USA hat langsam genug von ihm. Es fürchtet, dass das nicht übermäßig ernst zu nehmende Moore-Potpurri aus Information, Unterhaltung, Mutmaßung, Unterstellung und Klischee dem ernsthaften Anliegen der Linken schadet. Vor allem das linksliberale Online-Magazin „Salon.com“ entlarvte Moore als „Großmaul“ und empfahl „der Linken, ohne Moore auszukommen“.

Moore macht sich vor allem angreifbar, weil die Fakten oft nicht stimmen oder falsch eingeordnet werden. Beispielsweise führt er als Beleg für Repressalien nach dem 11. September an, dass einem französischen Fernsehteam die Einreise in die USA verweigert wurde. Dass die Franzosen kein Journalistenvisum hatten, das sie leicht bei einer US-Botschaft hätten bekommen können, verschweigt er.

Zweifellos ist Moore witziger als seine Gegner. Ihm kommt zugute, dass Bush und Rumsfeld es Spöttern leicht machen. Dennoch: Wer bei Moore den Verstand einschaltet, wird dessen Anbiederungen als solche erkennen: „Für uns ist es dringend notwendig, dass ihr Deutschen Bush Widerstand leistet, und ihr sollt wissen, dass wir diesen Widerstand geradezu verzweifelt begrüßen.“ Ein paar Sätze weiter behauptet er, die meisten Amerikaner seien so dämlich, dass sie Deutschland, nach dessen Widerstand sie sich angeblich sehnen, nicht einmal auf der Landkarte finden würden. Als Moores neues Buch im Oktober mit einer gewaltigen PR-Kampagne auf den US-Markt gebracht wurde, war er Gast zahlloser Talkshows. Richtig ernst hat ihn keiner genommen. Alle wussten, dass Time Warner – der weltgrößte Medienkonzern, der Moores Buch verlegt – dahinter steckt und dass es um viel Geld geht.

Michael Moore tritt am Sonntag um 17 Uhr 30 und um 20 Uhr 30 in der Columbiahalle in Kreuzberg auf.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Bundesregierung:

Bafögsätze sollen steigen
Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. Gleichzeitig soll ein nationales Stipendiensystem für besonders leistungsstarke Studenten eingeführt werden.

Umweltschutz:

Entsorgungsfragen

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 8 + 2 = 


Weitere Themen

Zu Verdis Klängen Lesezeichen hinzufügen

Von Elisabeth Binder
Stephanie zu Guttenberg hat sich erst auf den zweiten Blick in ihren Mann ... mehr...

Teewurstklau: Kirche nimmt Kündigung zurück  Lesezeichen hinzufügen

Die evangelische Kirche hat die Kündigung einer ... mehr...

Flutchaos in Großbritannien Lesezeichen hinzufügen

Nach heftigen Regenfällen in Großbritannien mussten Hunderte Menschen aus ihren ... mehr...

Den Staat für Spenden zahlen lassen? Lesezeichen hinzufügen

Unser Kooperationspartner "das-tut-man-nicht.de" lässt Experten Stellung nehmen ... mehr...

Nachruf auf Jeanne-Claude Lesezeichen hinzufügen

Von Nicola Kuhn
Gemeinsam mit ihrem Mann Christo verhüllte sie den Reichstag und andere Gebäude. mehr...
Fotostrecken

Das Sandmännchen wird 50 (11 Bilder)

Klatsch und Tratsch (2180 Bilder)

Zitat des Tages (2219 Bilder)

Kuriose Nachrichten (57 Bilder)

Oasis of the Seas (17 Bilder)

This is it (9 Bilder)
Meist diskutiert
versendet