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Amoklauf

Neue Debatte über PC-"Killerspiele"

Nach dem Amoklauf in Emsdetten ist die Debatte um gewaltverherrlichende Computerspiele neu entbrannt. Die Leiche des Täters, der in einer Schule um sich schoss, wird heute obduziert.
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Emsdetten/Münster - Wie ein Sprecher der Polizei Münster mitteilte, wird die Spurensuche und Tatortarbeit in der Schule im Laufe des Tages fortgesetzt.

Ein 18-jähriger ehemaliger Schüler war am Montag maskiert in die Geschwister-Scholl-Realschule der münsterländischen Gemeinde eingedrungen, hatte wild um sich geschossen und Brandbomben geworfen. Bei dem Amoklauf wurden 27 Personen, darunter der Hausmeister der Schule, eine schwangere Lehrerin und neun Schüler, verletzt. Nach der Tat beging der Schütze, der ein fanatischer Anhänger von PC-"Killerspielen" war, Selbstmord.

Die Bluttat hat eine Debatte über solche Spiele ausgelöst. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) zeigte sich offen für ein Verbot. "Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit so genannten "Killerspielen" beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln", sagte Bosbach der Netzeitung.

Auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ist für ein konsequenteres Vorgehen gegen gewaltverherrlichende Computerspiele. "Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten", sagte Schönbohm der Netzeitung. Deshalb müsse konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen.

Lehrerverband betont Vorbildrolle der Eltern

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, warnte ebenfalls vor wachsender Gewalt in Filmen und Videospielen. "Brutale Computerspiele und Videofilme gaukeln Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren vor", schreibt Kraus in der "Bild"-Zeitung. Er betonte: "Auswege für den Verlierer bieten sie nicht." Kraus kritisiert zudem den Werteverfall in der Gesellschaft: "Drogen, Konsum, Spaß sind die einzigen Werte, die Pop- und TV-Stars noch vermitteln." Von Eltern und Lehrern verlangte er, ihren Kindern durch eigenes Handeln ein positives Zukunftsbild zu vermitteln.

Die Grünen lehnen indes ein Verbot von "Killerspielen" ab. "Wenn die Informationen zutreffen, dass der Täter gesellschaftlich isoliert war und seine Zeit hauptsächlich mit dem Spielen von "Killerspielen" verbracht hat, dann muss jetzt verstärkt eine Debatte um Förderung von Medienkompetenz und einer sinnvollen Computernutzung geführt werden", sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck, der Netzeitung. Hier reiche die "einfältige Forderung der großen Koalition nach einem Verbot von Killerspielen sicher nicht aus", zumal Verbotenes für Jugendliche bekanntlich umso reizvoller sei.

Neue Qualität der Gewalt

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sieht mit dem Amoklauf eine neue Qualität der Brutalität erreicht. "Dass Sprengstoff im Spiel war, gibt dem Fall eine neue Dimension", sagte Freiberg der "Münsterschen Zeitung". Dies habe es noch nicht gegeben. (Von Gerhard Kowalski, ddp)
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