Abenteuer Weltraum : Das All rückt näher

Eine 33-Jährige aus Hagen will als erste Deutsche in den Weltraum – und hofft, dass Brad Pitt nicht dabei ist.

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Sonja Rohde will sich mit dem Flug ins All einen Kindheitstraum erfüllen. Foto: dpa

Hagen - Wenn alles gut geht, wird die 33-jährige Sonja Rohde aus dem westfälischen Hagen im kommenden Jahr als erste Deutsche der Erde den Rücken kehren und durchs All sausen – wenn auch nur für 15 Minuten. 200 000 Dollar (160 000 Euro) hat die mutige Jungunternehmerin für das Abenteuer hingeblättert, in einem speziellen Raumschiff den Himmel zu erobern und dabei fünf Minuten Schwerelosigkeit zu erleben.

Angst hat sie überhaupt nicht. „Wenn ich was mit Raumfahrt zu tun habe, fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt. Früher auf der Kirmes habe ich im Karussell oder in der Achterbahn immer geschrien: schneller, schneller. Ich war mir noch nie so sicher in meinem Leben“, sagt sie.

Die Verwirklichung eines Kindheitstraums begann vor drei Jahren bei einer Safari in Afrika. Zufällig wohnte Rohde in der gleichen Lodge wie der britische Milliardär Richard Branson und aß mit ihm zu Abend. Branson erzählte von seinem Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic und seinen Plänen, Touristen den Weg ins Weltall zu ermöglichen – und begeisterte die junge Hagenerin. Spontan sagte sie zu, unter jenen 84 Weltraumtouristen sein zu wollen, die Branson als Erste von einem „Weltraumhafen“ im amerikanischen Bundesstaat Neu Mexiko aus ins Weltall fliegen lassen will. Zu diesen „Foundern“ (englisch für „Begründer“) sollen auch Prominente wie Angelina Jolie, John Travolta oder Brad Pitt gehören. „Ich bin offen für Neues. Es ist eine Art positive Grundneugier“, sagt sie. Unter den 84 ist sie der einzige Passagier aus Deutschland.

An den nötigen Fluggeräten wird derzeit fieberhaft gearbeitet. Ende Juli stellte Branson in der kalifornischen Mojave-Wüste ein Trägerflugzeug, das „WhiteKnightTwo“, für das eigentliche Raumschiff, das „SpaceShipTwo“, vor. Das Mutterschiff mit doppeltem Rumpf soll das mit zwei Piloten und sechs Passagieren besetzte Raumschiff zunächst in eine Höhe von 15 Kilometern bringen. Mit Raketenantrieb rund 5000 Stundenkilometer schnell bringt das „SpaceShipTwo“ die Freizeit-Astronauten dann über dem amerikanischen Bundesstaat Neu Mexiko auf rund 110 Kilometer Höhe. Stippvisite mit Luxusfernblick, garantiert wolkenfrei: Die Sichtweite beträgt rund 1600 Kilometer. Anschließend geht es im Gleitflug wieder zurück zur Erde. Zweieinhalb Stunden dauert der Spaß insgesamt.

Wann Branson das Raumschiff präsentieren wird, ist noch unklar. Bei der Präsentation des Trägerflugzeugs stand es noch geheimnisvoll umhüllt in einem Hangar – in gebührendem Abstand zu den Premierengästen.

Wer ihre Gefährten sind, weiß Rohde noch nicht. „Die Founder wollen kurz vor Flugbeginn losen, wer zuerst fliegt.“ Auf einen Flug mit Brad Pitt könne sie dabei allerdings verzichten. „Ich will mich auf den Weltraum konzentrieren und im Vergleich zum Weltraum sieht Brad Pitt ziemlich blass aus“, sagt Rohde mit einem Augenzwinkern. Eindrücke, die bleiben: „Unsere Helme werden mit Kameras ausgestattet sein, die alles aus unserer jeweiligen Blickrichtung filmen.“

Auf den Flug bereitet Rohde sich schon seit vergangenem Jahr vor – etwa mit einem Schwerelosigkeitstraining. Dazu bestieg sie im US-Staat Florida eine umgebaute Boeing 727 für sogenannte Parabelflüge. Für bis zu 30 Sekunden kann dabei Schwerelosigkeit simuliert werden. „Man lernt, wie man navigiert.“ Nach dem Training hofft sie nun, sich besser auf Ausblick und Schwerelosigkeit konzentrieren zu können. Auch ein Training in einer Zentrifuge absolvierte sie schon, um zu erfahren, wie ihr Körper auf die großen Kräfte etwa beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre reagiert. Kurz vor dem Flug soll es dann noch mal ein mehrtägiges Training geben.

Ob es ihr einziger Flug ins Weltall bleibt, weiß Rohde noch nicht. Eine Idee für das nächste Reiseziel hat sie jedenfalls schon: „Natürlich würde ich gerne zum Mond fliegen – und in einem Spacehotel übernachten. Wenn es die Möglichkeit gibt, bin ich natürlich dabei.“ dpa

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