Welt : aber das gelingt nicht - Naserümpfen gehört dazu

Bernhard Baumgartner

"Alles Anders" statt "Alles Walzer" könnte heuer das Motto des alljährlichen Wiener Opernballs lauten. Die neue Chefin der Wiener Traditionsveranstaltung, Elisabeth Gürtler - im Zivilberuf Chefin des bekannten Wiener Hotels "Sacher" - hat umfangreiche Änderungen angekündigt. "Wir wollen, dass auf diesem Ball wieder das Staatsprotokoll regiert", meinte Gürtler. Würde und Eleganz sollen wieder auf den Ball zurückkehren. Deshalb werden am 12. März wieder vermehrt Gäste aus Politik, Kunst und Wirtschaft im Vordergrund stehen.

Im vergangenen Jahr rümpfte die Wiener Gesellschaft die Nase: Der Opernball wurde 1999 zu einem Riesenrummel um den Pornostar Dolly Buster. Schon in den Vorjahren waren illustre Damen, die vom schwerreichen Wiener Bauunternehmer Richard Lugner eingeladen worden waren, die Hauptattraktion des Balls, darunter das "schwarze Schaf" des britischen Königshauses, Sarah "Fergie" Ferguson, oder Schauspielerinnen wie Raquel Welch und Sophia Loren. Ganz zu schweigen von Pressemeldungen über eine angebliche Einladung an die ehemalige US-Praktikantin im Weißen Haus Monika Lewinsky. Das soll jetzt anders werden. Opernball-Organisatorin Elisabeth Gürtler will dem Gesellschaftsereignis seine Würde und Eleganz zurückgeben.

Am Beginn des Opernballs 2000 soll diesmal ein Einmarsch österreichischer Künstler, wie etwa der Burgtheater-Mimen Klaus Maria Brandauer oder Fritz Muliar stehen. Die bisher für das jüngere Publikum übliche Discothek im Keller des Hauses wurde ersatzlos gestrichen. "Das passt einfach nicht zum Stil des Opernballs", meint Gürtler.

Auch mit dem seit einigen Jahren praktizierten "Kaufen" von Ehrengästen will die resolute Lady aufräumen. Obwohl sie Lugner mit Ballverbot drohte, will dieser wieder mit einem Stargast "antanzen". "Ich habe mehrere Optionen, will mich aber aus Rücksicht auf die Frau Gürtler mit Ankündigungen noch zurückhalten". Opernball-Lady Gürtler scheint jedoch ein zusätzliches Ass im Ärmel zu haben. Noch hat Lugner nämlich keine Reservierungs-Bestätigung für seine Loge bekommen. "Obwohl ich schon im September bezahlt habe", mault der Baumeister und gescheiterte Präsidentschaftskandidat des Jahres 1998. "Die Frau Gürtler will scheinbar, dass die Leute bei ihr persönlich vorsprechen und um die Karten bitten."

Einen weiteren Schock hat die OpernballLady für die Wiener Creme de la Creme parat. Die Ehren- und Gratis-Karten wurden nämlich deutlich reduziert. Jenen, die ihre Karten bislang immer auf Zuruf erhalten haben, passt das naturgemäß nicht. "Natürlich bekomme ich böse Briefe", gibt Gürtler zu. Auch die Karten für Presse und Fernsehen werden strikter vergeben. So sollen nur die österreichischen Boulevardblätter Photographen entsenden dürfen, die Qualitätszeitungen haben offenbar das Nachsehen.

Auch die Preise für das Wiener Gesellschaftsereignis wurden kräftig angehoben. So kostet der Eintritt 415 Mark statt der gewohnten 380 Mark. Für eine Loge muss man diesmal 29 000 Mark statt bisher 24 000 Mark hinblättern. Dennoch ist der Ball seit dem vergangenen September restlos ausverkauft.

Die Frage ist, ob sich die Leute auch gut amüsieren. Das Naserümpfen über andere Gäste, die ein bisschen unseriös sind, oder vulgär, oder die nicht Walzer tanzen können, trägt schließlich auch zum Gelingen eines Balls bei Es könnte sein, dass der Ball ohne Lugner mit einem gekauften Stargast langweilig wird. Aber bislang war auf Lugner immer Verlass.

Dass er wirklich keine Karte bekommt, hält kaum jemand für möglich. Auf das Theater, das er jedes Jahr um seinen weiblichen Stargast veranstaltet, kann der Opernball eigentlich nicht verzichten, wenn er weiter in den internationalen Schlagzeilen bleiben will. Die Frage ist, welche geheime Abmachung Frau Gürtler mit dem von ihr so angeprangerten Lugner getroffen hat. Aber es gibt Dinge, die muss eine Frau nicht abmachen. Auf manche Männer ist immer Verlass.

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