Welt : Abergläubisch?: Zoologisches: Auch Tauben schätzen Rituale

Aberglaube bei Tieren? Das ist weniger verrückt, als es zunächst klingt. Der tierische Aberglaube könnte sogar erklären, wie es zu Stande kommt, dass wir vermeintlich "glückbringenden" Ritualen magische Kräfte zuschreiben. Der US-Psychologe Burrhus Frederic Skinner machte dazu schon Ende der 40er Jahre ein so simples wie spektakuläres Experiment. Skinner setzte hungrige Tauben in eine Kiste. Die Futterzufuhr wurde durch eine Schaltuhr automatisch gesteuert. Alle 15 Sekunden bekamen die Vögel etwas zu fressen - egal, wie sie sich in der Zwischenzeit verhielten.

Wären die Tiere vernünftig gewesen, hätten sie sich auf den Rhythmus eingestellt und die Zeit bis zur nächsten Fütterung abgewartet. Doch stattdessen entfalteten sie ganz erstaunliche Aktivitäten. Die anfangs noch reglosen Vögel begannen, den Boden des Kastens mit dem Schnabel zu bearbeiten. Manche machten zwischen den Fütterungen zwei oder drei Umdrehungen. Andere steckten ihren Kopf in eine der oberen Ecken der Kiste. Oder sie nickten eifrig mit dem Kopf, als wollten sie versuchen, einen unsichtbaren Ball zu treffen und wegzuköpfen. In der Regel dauerte es nur wenige Minuten, bis jedes Tier sein eigenes Ritual entwickelt hatte.

Offenbar erlagen die Tauben einem Irrtum: Sie glaubten, diese spezielle, einem Zufall entsprungene Handlung sei erforderlich, um die Futterzufuhr zu aktivieren. Dabei hätte jedes andere Verhalten dieselbe "Wirkung" gehabt. Es war derselbe Denkfehler, der menschlichen Aberglauben am Leben halten kann: Ein zufälliges Zusammentreffen von zwei Ereignissen wird als Folge von Ursache und Wirkung interpretiert.

Das Verhalten von Skinners Tauben erinnert zumindest an menschlichen Aberglauben. Anfangs wandten Kritiker noch ein, die Tiere würden nur einem Instinkt folgen und seien nicht auf abergläubisches Verhalten "konditioniert". Darüber wurde lange gestritten. Doch inzwischen ist die Kritik verstummt. Ende der 80er Jahre kamen die US-Psychologen Gregory Wagner und Edward Morris von der Universität Kansas bei Studien an drei- bis sechsjährigen Vorschulkindern zu ganz ähnlichen Ergebnissen.

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