Abfall in den Straßen : Gewalt bei Anti-Müll-Demo in Neapel

Immer wieder kommt es bei den Protesten gegen die Müllberg in Neapel zu Ausschreitungen. Mit Steinen und Knallkörpern haben vermummte Demonstranten Polizisten beworfen. Nach dem Einsatz von Tränengas brach eine Panik aus.

Die Menschen in Neapel gehen auf die Straßen, um ihrer Wut gegen die Regierung Ausdruck zu verleihen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
21.10.2010 14:09Die Menschen in Neapel gehen auf die Straßen, um ihrer Wut gegen die Regierung Ausdruck zu verleihen.

Bei Protesten gegen eine Mülldeponie ist es nahe der süditalienischen Stadt Neapel erneut zu Ausschreitungen gekommen. Vermummte Demonstranten bewarfen Polizisten in der Nacht zum Donnerstag an der Anlage in Terzigno mit Steinen und Knallkörpern, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Die Bewohner des Ortes rund 20 Kilometer südöstlich von Neapel demonstrieren seit Wochen gegen die Mülldeponie und gegen das Müllchaos in ihrer Region.

Als die Gruppe Maskierter die Beamten mit Steinen und Knallkörpern bewarf, versuchte die Polizei die Menge zunächst abzudrängen und setzte dann Tränengas ein, wie Ansa weiter berichtete. Unter den Demonstranten sei Panik ausgebrochen. Die Organisatoren des Protestes hätten die gewalttätigen Demonstranten vergeblich zur Ruhe aufgerufen.

Die Demonstranten blockieren aus Protest gegen das Müllchaos in der Region die Deponie von Terzigno, die überlastet ist. Die Proteste verschärften sich zuletzt, nachdem der Bau einer zusätzlichen Deponie in der Nähe beschlossen wurde - die Proteste der Anwohner richten sich auch gegen damit verbundene Gesundheitsgefahren. Am Mittwochabend bestätigten regionale Verantwortliche der Regierungspartei Volk der Freiheit den Bau der zweiten Deponie. Am Freitag wollen Bewohner mehrerer Vororte von Neapel in Rom gegen das Müllchaos demonstrieren.

Neapel leidet seit Jahren unter einem erheblichen Müllproblem. Immer wieder stapeln sich in den Straßen der Stadt tonnenweise Abfälle, weil Deponien und Wiederverwertungsanlagen chronisch überlastet sind. Zudem schlossen die Behörden von der Mafia betriebene Müllhalden. Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte die Beseitigung des Müllproblems zur Chefsache erklärt und angekündigt, neue Verbrennungsanlagen notfalls durch die Armee verteidigen zu lassen. Der Europäische Gerichtshof rügte Italien bereits dafür, dass es in der Region von Neapel kein geeignetes Entsorgungssystem gibt. (AFP)

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