Abgelehntes Spenderherz : "Ich bin froh, das Leben eines anderen zu retten"

Hannah Jones ist 13 Jahre alt - und bereit zu sterben. Eine Herztransplantation, die ihr Leben erst einmal verlängern würde, lehnte das Mädchen ab.

Marie Preuß

BerlinHannah Jones ist ein hübsches Mädchen. Auf den Bildern, die zurzeit durch die englischen Medien gehen, ist eine Dreizehnjährige zu sehen, deren Gesicht mit Sommersprossen übersät ist. Unter ihrem blonden Pony blitzen grüne Augen hervor. Man sieht Hannah nicht an, dass sie todkrank ist. Sie wirkt höchstens ein bisschen blass.

Aber in Hannahs Herz klafft ein Loch. So groß, dass es nur noch mit zehn Prozent der Kraft eines normalen Herzens arbeitet. Hannah ist schnell aus der Puste, in der Klinik sprachen sie von einem halben Jahr, das ihr noch bliebe. Das war im Juli 2007. Die Ärzte des Hereford County Hospital hatten Hannah vorgeschlagen, ihr ein neues Herz einzupflanzen. Sie aber lehnte ab. Denn es wäre nicht Hannah erster Aufenthalt im Krankenhaus.

Hannah Jones war vier Jahre alt, als man bei ihr Leukämie diagnostizierte. Mit fünf Jahren begann die Therapie - und seit dem gab es "keinen Monat, kein Jahr ohne medizinische Behandlung" für sie, wie Hannah in einem Interview mit Sky News erzählt. Die jahrelange Behandlung drängte zwar die Leukämie zurück, sie zerfraß aber dabei ihr Herz.

"Ich war so oft im Krankenhaus"

Und so erklärte Hannah ihren geschockten Ärzten: "Ich war so oft im Krankenhaus und verbinde damit schreckliche Erinnerungen. Deswegen möchte ich keine Transplantation. Es gibt eine Chance, dass es mir gut geht und es gibt die Möglichkeit, dass es mir eben nicht so gut geht, aber ich möchte meine Chance nutzen."

Denn was die Ärzte Hannah auch erzählten, war, dass sie nach einer Herztransplantation starke Medikamente nehmen müsse, damit ihr Körper das fremde Organ nicht abstößt. Und diese Medikamente könnten die Leukämie wieder aufflammen lassen.

Ihr Vater Andrew Jones berichtete im Radiointerview mit der BBC, er sei froh darüber gewesen, dass sie die Entscheidung bewusst für sich gefällt habe. Sie sei damals sehr früh erwachsen geworden und er bewundere seine Tochter dafür. Ihre Entscheidung haben er und seine Frau Kirsty immer unterstützt.

Noch einmal gemeinsam Weihnachten feiern

Das Krankenhaus aber setzte die Familie unter Druck. Man müsse Hannah sofort in die Klinik bringen, um die Transplantation zu ermöglichen. Wenn nicht, würde das Krankenhaus ein Gerichtsverfahren anstrengen, um Hannah aus der Obhut ihrer Eltern zu nehmen. "Ein Schock", so Andrew Jones heute.

Erst jetzt, mehr als ein Jahr später ist klar, dass Hannahs Entscheidung respektiert wird. Der Chef der Krankenhausverwaltung schrieb einen Brief an ihre Eltern in dem er Hannah als "mutige und tapfere junge Frau" beschrieb, die den Ernst ihres Zustands verstanden und erkannt habe, dass sie sterben kann.

Hannahs Eltern und die drei Geschwister Oliver, 11, Lucy, 10, und Phoebe, 4, hoffen nun, dass sie noch gemeinsam mit Hannah das Weihnachtsfest verbringen können. Einen Ausflug nach Disney World in Orlando musste die Familie in der letzten Woche absagen. Der Vater hatte kein Institut gefunden, das das Mädchen für die Reise versichern wollte.

Hannah selbst lebt ihr Leben weiter wie bisher und sagt über ihre Entscheidung: "Ich weiß, dass es eine lange Warteliste für Herztransplantationen gibt und ich bin froh darüber, das Leben eines anderen zu retten."

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