Welt : Abgeordnete trinken für die Autofahrer

PETER EHRLICH (rtr)

Auf der Suche nach Klarheit bei der Gesetzgebung zur künftigen Promillegrenze im StraßenverkehrVON PETER EHRLICH (rtr) BONN. Alkohol trinken, um Klarheit zu gewinnen.Zu diesem ungewöhnlichen Zweck versammelte sich am Dienstag abend ein Dutzend Volksvertreter in einem Bonner Hotel.Es ging um zwei Lieblingskinder der Deutschen: das Auto und den Alkohol.In den nächsten Wochen soll die Entscheidung über die künftige Promillegrenze im Straßenverkehr fallen.Unter ärztlicher Aufsicht verfolgten die Volksvertreter, wie nach jedem Glas der Blutalkoholwert steigt und die Reaktionsfähigkeit abnimmt. Um ein Abgeordneten-Besäufnis, das stellten die Ausschußvorsitzenden Eylmann (CDU) vom Rechtsauschuß und Jobst (CSU) vom Verkehrsauschuß klar, gehe es nicht."Wir machen das nicht aus Jux und Tollerei", sagte Eylmann."Wir trinken für die Autofahrer".Jobst gehört zu den Verteidigern der 0,8-Promille-Grenze, Eylmann ist seit langem für 0,5 Promille.Jobst gibt sich sicher: Mit vier bayerischen Halben, also zwei Litern Leichtbier, sei er bei einem früheren Test auf 0,4 Promille gekommen und damit also noch fahrtüchtig."Niemand braucht auf Bier oder Wein zum Essen zu verzichten", sagt Jobst.Bei Bernd Zabel stoßen solche Aussagen auf völliges Unverständnis.Zabel vertritt den Bund gegen Alkohol im Straßenverkehr und ist mit zwei Fahrsimulatoren angereist.Wer sich mit vier Halben noch für fahrtüchtig halte, sagte Zabel, "kennt entweder seine Reaktionen nicht oder ist Alkoholiker".Als erste Testperson verläßt die SPD-Abgeordnete Monika Ganseforth nach einer Stunde die Veranstaltung."Nach drei Glas Weißwein habe ich 0,79 Promille, Tendenz ansteigend.Das hätte ich nicht gedacht", berichtet sie.Ein Abgeordneter, der sich schon leicht benebelt fühlt, verkündet, er werde nun langsam mit dem Trinken aufhören.Promillewert 0,53.Jobst teilt mit, nach vier Kölsch zu 0,3 Liter sehe er keinen Unterschied zum alkoholfreien Zustand."Kraftfahrer sind recht oft der Überzeugung, weit weniger als wirklich getrunken zu haben", heißt es im Merkblatt, das Zabels Bund gegen Alkohol verteilt.

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