• Abgesackt und aufgerissen Schwere Erdstöße erschütterten die griechische Insel Lefkada

Welt : Abgesackt und aufgerissen Schwere Erdstöße erschütterten die griechische Insel Lefkada

Gerd Höhler[Athen]

Ein heftiges Erdbeben hat am Donnerstagmorgen auf der griechischen Insel Lefkada (Lefkas) schwere Schäden angerichtet. Etwa 50 Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch mehrere Touristen. „Alles zerstört, alles vorbei“, stammelt die alte Frau und zeigt mit zitternder Hand auf die Ruine, die noch vor wenigen Stunden ihr Zuhause war. Ein tiefer Spalt hat sich in der Mauer des dreistöckigen Gebäudes aufgetan. Die eine Hälfte des Hauses ist abgesackt und steht geneigt auf den Fundamenten. Risse ziehen sich durchs Mauerwerk, die Fenster sind zersplittert.

Wie durch ein Wunder konnten alle Bewohner das Gebäude rechtzeitig verlassen, als am Donnerstagmorgen um 8 Uhr 15 auf der griechischen Ferieninsel Lefkada die Erde bebte. „Ich stieg gerade aus dem Auto, da verlor ich buchstäblich den Boden unter den Füßen“, berichtet eine junge Frau. „Direkt neben mir krachte ein Strommast um und verfehlte mich nur um ein paar Zentimeter.“ Seismologen der Universität im westgriechischen Patras berechneten die Stärke des Bebens auf 6,4 auf der nach oben offenen Richterskala, bei der Athener Erdbebenwarte wurden 5,9 gemessen.

Berechnungen in den USA, wo das Beben ebenfalls registriert wurde, ergaben eine Stärke von 6,1. Das Beben, das auch auf den Nachbarinseln Korfu, Kefalonia, Ithaka und sogar im 300 Kilometer entfernten Athen zu spüren war, versetzte viele der 22 000 Einwohner der Insel und die mehr als zehntausend Urlauber, die sich zurzeit auf Lefkada aufhalten, in Panik. Die Menschen liefen aus Wohnungen und Geschäften auf die Straße. Einige wurden von herabfallenden Fassadenteilen und Glassplittern getroffen.

Die meisten der Verletzten konnten nach ambulanter Behandlung bereits am Donnerstagmittag wieder die Krankenhäuser verlassen. Unter ihnen sind zwei schottische Urlauber und ein Tourist aus der Tschechischen Republik. Zwei Menschen wurden schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Eine Frau zog sich schwere Kopfverletzungen und mehrere Knochenbrüche zu, als sie in Panik aus dem Fenster ihrer Wohnung sprang. Zehn italienische Urlauber überraschte das Beben am Strand von Porto Katsiki, der am Fuße eines steilen Kliffs liegt. Einige von ihnen wurden durch herabfallende Steine leicht verletzt. Weil ihnen durch Erdrutsche der Rückweg abgeschnitten war, mussten sie mit einem Boot der Küstenwache in Sicherheit gebracht werden. Ein Bauer berichtete aus dem Hafenort Nidri, das Beben sei so heftig gewesen, dass es das Obst von seinen Bäumen geschüttelt habe.

„Ich dachte, es hört gar nicht mehr auf“, sagt ein anderer Mann, der das als ungewöhnlich lang beschriebene Beben im Hauptort Lefkada erlebte. Hier hat der Erdstoß tiefe Risse im Asphalt der Hauptstraße hinterlassen. Auf den Gehsteigen lagen zerbrochene Dachpfannen, Glassplitter und Schutt. Das Krankenhaus, dessen Mauern von Rissen übersät sind, musste evakuiert werden. In einer Schule nebenan richteten Ärzte und Schwestern eine provisorische Klinik ein. Durch Felsabstürze und Erdrutsche waren auch am Donnerstagnachmittag viele Straßen auf der Insel noch nicht passierbar. Noch wissen die Seismologen nicht, ob es sich bei dem Beben vom Donnerstagmorgen um den Haupterdstoß handelte oder ob womöglich eine noch stärkere Erschütterung bevorsteht.

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