Abheben : Über den Stau fliegen

Das Auto, das abheben kann, davon träumen viele Fahrer – und viele Konstrukteure. Niederländer und Amerikaner wetteifern, wer das erste Gerät zur Serienreife bringt.

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Auto, Motorrad, Hubschrauber. Das PAL-V hat erste Tests absolviert.
Auto, Motorrad, Hubschrauber. Das PAL-V hat erste Tests absolviert.Foto: promo

Wer wünschte sich nicht, mit seinem Wagen einfach abzuheben und Verkehrsrowdys und Staus einfach hinter sich zu lassen? In den Niederlanden hat ein Auto, das sich in einen Hubschrauber verwandeln lässt, seine ersten Starts absolviert. Seit elf Jahren arbeiten Robert Dingemanse und sein Team von der Firma PAL-V an dem Flugauto. Das Kürzel steht für Personal Air and Land Vehicle. Unterstützt werden sie vom staatlichen niederländischen Luftfahrt-Forschungslaboratorium sowie mehreren Universitäten. Bereits vor drei Jahren wurde ein erster Prototyp auf der Straße getestet. In der vergangenen Wochen absolvierte ein weiteres Exemplar nun erste Testflüge. Auf dem Boden vereint das dreirädrige Fahrzeug, das mit einem patentierten, innovativen Neigungssystem ausgestattet ist, laut Hersteller den Komfort eines Personenwagens mit der Wendigkeit eines Motorrades und beschleunigt wie ein Sportwagen. Zum Start, für den eine Strecke von 165 Metern benötigt wird, verwandelt sich das PAL-V durch Entfalten des Rotors zu einem sogenannten Tragschrauber.

Sowohl am Boden als auch in der Luft erreicht das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Die Reichweite beträgt mit einer Tankfüllung am Boden bis zu 1200 Kilometer, im Flug je nach Version und Nutzlast zwischen 350 und 500 Kilometer. Als Kraftstoff dient herkömmliches Benzin. Am Boden kann PAL-V nach Firmenangaben mit einem normalen Pkw-Führerschein gesteuert werden. Um abzuheben wird eine Privatpilotenlizenz benötigt. Das erste fliegende Auto war bereits 1917 von dem US-Flugpionier Glenn Curtiss gebaut worden. Das „Autoplane“ schaffte aber nur kurze Luftsprünge. Seitdem gab es in den USA immer wieder entsprechende Entwicklungen. Auch derzeit laufen verschiedene Projekte. Das Modell „Transition“ von Terrafugia ist im März 2009 auch zu einigen Testflügen gestartet. Zu einer Serienproduktion des Pkw mit Propellermotor im Heck und zusammenklappbaren Tragflächen kam es jedoch bisher nicht. In Deutschland entwickelt die Braunschweiger Firma Carplane ebenfalls ein Flugauto, dessen Serienproduktion frühestens 2015 beginnen soll.

Robert Dingemanse sieht für seine Entwicklung eine große Zukunft. Sowohl in den USA als auch in Europa gebe es Forschungsprogramme für spezielle Flugkorridore, die mithilfe von Satellitennavigation einen verstärkten, privaten Luftverkehr ermöglichen sollen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Auf absehbare Zeit wird es keine Genehmigungen geben, um angesichts eines Staus gleich auf der Autobahn zu starten. Vorerst wird sich auch PRO-V auf genehmigte Flugplätze beschränken müssen. Ein Kaufpreis wurde noch nicht genannt.

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