Abkapselung von Russland : Tadschikistan will ausländische Vornamen verbieten

Die Regierung in Tadschikistan kündigt nicht zum ersten Mal an, gegen ausländische Namen vorgehen zu wollen. Der Präsident selbst ließ seinen Namen ändern.

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Der Staatspräsident von Tadschikistan: Wenn es nach Emomali Rachmon geht, sollen Eltern in dem Land in Zentralasien bald nicht mehr frei über die Vornamen ihrer Kinder entscheiden dürfen.
Der Staatspräsident von Tadschikistan: Wenn es nach Emomali Rachmon geht, sollen Eltern in dem Land in Zentralasien bald nicht...Foto: dpa

Eltern in Tadschikistan sollen in Sachen Namenswahl ihrer Neugeborenen künftig eingeschränkt werden. Die Ex-Sowjetrepublik in Zentralasien will Vornamen ausländischer Herkunft verbieten. Das Gesetz dazu soll noch in diesem Jahr geändert werden. Künftig soll nur noch aus einem Register von 4000 bis 5000 modernen und alten tadschikischen Namen ausgewählt werden können.

Dieses Vorhaben ist nicht neu: Bereits vor Jahren hatte sich Präsident Emomali Rachmon über russische Wörter als Vornamen beschwert. So zum Beispiel Wolk (Wolf) und Topor (Axt). Diese Namen würden "uns und alle anderen verschrecken". Bereits nach der Unabhängigkeit des Landes versuchte die Regierung, sich von den "russifizierten" Nachnamen mit den Endungen "ow", "ew" und "owitsch" zu entledigen. Sie galten als Überbleibsel einer Jahrhunderte währenden russischen bzw. sowjetischen Fremdherrschaft.

Präsident Rachmon hatte vor einigen Jahren seinen Namen ändern lassen: aus Rachmonov wurde Rachmon. Die tadschikische Botschaft in Berlin sagte dem Tagesspiegel, ein Gesetz zu einem Verbot für Vornamen sei noch lange nicht beschlossen, es würde sich viel mehr um eine Diskussion in der Gesellschaft handeln.

Aus Tadschikistan heißt es, Rachmon möchte die eigene Kultur hervorheben. Schon 1997 war er nach Mekka gereist, um ein Zeichen der Verbundenheit mit den muslimischen Nationen zu setzen. Immer wieder verkündete das Land den Bann slawischer Namen per Gesetzesänderung an. Diesmal heißt es, dass auch Namen aus dem Arabischen verschwinden sollen. Ausnahmen soll es jedoch für Vornamen wie Mohammed, Hassan, Hussein, Fatima oder Suchra geben. Viele Tadschiken tragen den Namen des Propheten "Mohammed" als Zweitnamen, auch andere muslimische Namen waren eine Zeitlang en vogue und zeigen die Verbundenheit zur persischen Vorgeschichte des Landes.

Auch Tiere oder Gegenstände dürfen nicht mehr als Namensgeber dienen

Derzeit populäre tadschikische Namen sind Sitora (Stern) für Mädchen, Dschachongir oder Bachodur (der Starke) für Jungen. „Die Änderungen sollen den Prozess der Namenswahl für neugeborene Kinder durch die Eltern regeln“, sagte die Abgeordnete Chilolbi Kurbonsoda. Auch Tiere oder Gegenstände dürfen nicht mehr als Namensgeber dienen. Seit in Tadschikistan das Wasserkraftwerk Rogun weitergebaut wird, sind für Jungen Vornamen wie Rogunscho und Schachrogun in Mode gekommen.

Im Januar 2014 hatte der tadschikische Generalstaatsanwalt den "lockeren Umgang der Jugend in der Namensfrage" kritisiert, der nach seiner Ansicht einen Mangel an Patriotismus zeige. Eine anschließende Umfrage an Universitäten hatte ergeben, dass nur wenige Studenten eine Namensänderung zur tadschikischen Schreibweise beantragt hatten, während eine Mehrheit ihre Namen mit russischen Endungen weiter führte.

Mit dem Verbot von ausländischen Vornamen würde es für Tadschiken nicht unbedingt leichter, beispielsweise als Saisonarbeiter nach Russland einzureisen. Arbeitsmigranten, die ihr Glück auf russischen Märkten oder Betrieben versuchen, haben es mit einem russischen Namen im Pass leichter. Auch an den Grenzen soll es Fälle geben, dass Tadschiken, die im Pass nur zwei Namen, den Vornamen und Familiennamen aufweisen, zurückgewiesen werden. (mit dpa)

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