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Abrechnung nach Vergewaltigungsvorwurf : Kachelmann: Frauen haben ein "Opfer-Abo"

08.10.2012 12:52 Uhr
Jörg Kachelmann bringt jetzt ein Buch heraus.Bild vergrößern
Jörg Kachelmann bringt jetzt ein Buch heraus. - Foto: dpa

Jörg Kachelmann holt zum Rundumschlag aus: Nach seinem Freispruch von Vergewaltigungsvorwürfen attackiert er Polizei, Justiz, Medien und Alice Schwarzer - und zwar passgenau zum Erscheinen seines Buchs "Recht und Gerechtigkeit", das am Montag in den Handel gelangte.

Das mit Spannung erwartete Buch von Jörg Kachelmann über seinen Vergewaltigungsprozess ist auf dem Markt. Am Montag wurde es überraschend an den Buchhandel ausgeliefert, wie der Heyne-Verlag in München mitteilte, der sich bislang zum genauen Erscheinungstermin bedeckt gehalten hatte. „Recht und Gerechtigkeit“ heißt das 384 Seiten starke Werk, das der ehemalige Wettermoderator gemeinsam mit seiner Frau Miriam geschrieben hat; der Frau, die ihn im März 2010 am Flughafen in Frankfurt abholte und dabei war, als ihr deutlich älterer Geliebter dort verhaftet wurde.

Die Buchveröffentlichung wird begleitet von öffentlichkeitswirksamen Äußerungen Kachelmanns: Knapp eineinhalb Jahre nach dem Freispruch von Vergewaltigungsvorwürfen hat Kachelmann mit einer „männerverurteilenden Justiz“ abgerechnet.

„Im Bereich Missbrauch und Vergewaltigung sind Falschbeschuldigungen ein Massenphänomen geworden“, sagte der Wettermoderator dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Der 54-Jährige war im Mai 2011 von dem Vorwurf freigesprochen worden, eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben.

Er wolle „wirklich, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter kommt. Aber für Frauen sind Verleumdungen heute eine beliebte und effektive Waffe geworden“. Sie hätten ein „Opfer-Abo“, sagte der Schweizer. „Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.“

Kachelmanns Frau Miriam sagte, mit Missbrauchsvorwürfen könne man sich heute „sehr einfach an Chefs und Lebenspartnern rächen“ und „problemlos das Sorgerecht für Kinder erstreiten“. Richter verurteilten „lieber mal einen Unschuldigen, als sich sagen lassen zu müssen, dass einem vermeintlichen Opfer keine Gerechtigkeit widerfuhr“. Die 26-Jährige sprach von einer „Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss“. Sie attackierte auch Alice Schwarzer, damals Reporterin für die „Bild“-Zeitung und damit „von Anfang an Partei und Propagandamaschine“.

Ihre eigene Vernehmung als Zeugin während des Prozesses sei „absurd“ und „furchtbar“ gewesen. „Ich musste dort Dinge erzählen, die ich nicht mal meinem Psychologen erzählen würde, wenn ich einen hätte“, sagte sie.

Das Paar will ein informelles Netzwerk mit dem Ziel gründen, „dass künftig weniger Menschen wegen falscher Vorwürfe unschuldig verurteilt werden“. Sie hätten viele Polizisten, Staatsanwälte, Gutachter und Richter erlebt, die vor allem im Bereich Psychologie schlecht ausgebildet seien. „Als früherer deutscher Beamtensohn und einst institutionengläubiger Spießer hätte ich nie gedacht, dass Polizei und Justiz in diesem Land so arbeiten“, sagte Jörg Kachelmann. (dpa)

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