Abschuss : US-Navy zerstört defekten Satelliten

Der mit giftigem Raketentreibstoff gefüllte US-Spionagesatellit ist von der US-Marine zerstört worden. Doch war das Gift der wirkliche Grund für den Abschuss?

US-Satellit Foto: dpa
Die US-Navy hat den Satelliten von einem Kriegsschiff im Nordpazifik aus zerstört. -Foto: dpa

Es hat geklappt: Die USA haben den defekten Spionagesatelliten USA 193 abgeschossen. Am Mittwochabend gegen 22:30 Uhr Ortszeit (4:26 MEZ) traf eine Rakete den Satelliten in etwa 247 Kilometer Höhe über dem Pazifischen Ozean. Unklar ist bisher noch, ob die Rakete auch den Tank mit dem Treibstoff Hydrazin getroffen hat. Der noch mit einer halben Tonne des Gifts gefüllte Behälter war der offizielle Grund, weshalb die USA sich für einen Abschuss des Satelliten entschieden. Präsident George W. Bush wollte damit ausschließen, dass bei einem unkontrollierten Absturz des Satelliten Menschenleben gefährdet werden. Experten zweifeln jedoch an dieser offiziellen Version.

Das US-Verteidigungsministerium berichtete, dass schon der erste Schuss ein Treffer war. Mit einer umprogrammierten Standard-Missile-3 wurde der Satellit vom Kriegsschiff USS Lake Erie im Nordpazifik bei Hawaii abgeschossen. Mit mehr als 17.000 Stundenkilometern war der Himmelskörper zu dem Zeitpunkt unterwegs. Die Rakete trug an der Spitze ein Geschoss, das kurz vor Erreichen des Satelliten in etwa 240 Kilometer Höhe freigesetzt wurde. Die Schrottteile des Satelliten werden vermutlich beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Es ist aber auch möglich, dass einzelne Teile durch den Abschuss in höhere Erdbahnen geschleudert werden und dort für mehrere Jahre oder Jahrzehnte verbleiben, erfuhr Tagesspiegel.de aus UN-Expertenkreisen. Je höher die Umlaufbahn, in der ein Gegenstand um die Erde kreist, desto länger dauert es, bis er auf die Erde zurückkommt.

Moskau: USA wollen "Rüstungswettlauf im All"

China hatte vor einem Jahr ebenfalls einen ausgedienten Wettersatelliten von der Erde aus abgeschossen. Da dieser aber in über 800 Kilometern Höhe getroffen wurde, schwirren die Einzelteile noch immer im All umher und gefährden dadurch die Raumfahrt. Die USA - eigentlich Vorreiter in der Vermeidung von Weltraumschrott - kritisierten das Vorgehen Chinas damals scharf. Umso mehr wundern sich Experten nun, dass Präsident Bush zu einer solch drastischen Maßnahme griff, um den Satelliten los zu werden - zumal das giftige Hydrazin wenige Chancen hatte, wirklich auf der Erde anzukommen. Vermutlich wäre es beim Eintritt in die Atmosphäre oder beim Aufprall verdampft.

Wahrscheinlicher sind laut Informationen aus UN-Kreisen, zwei andere mögliche Erklärungen: Vielleicht wollten die USA nicht, dass die heruntergestürzten Satellitenteile in die falschen Hände gelangen. Denn der Erdtrabant hatte wahrscheinlich hochmoderne Spionagetechnik an Bord - Geheimnisse, die die USA lieber für sich behalten. Oder der Abschuss war ein Test, ob man mit einer umprogrammierten Standard Missile 3 auch Satelliten abschießen kann. Auch Russland und China warfen der US-Regierung solche Motive vor. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, die USA wollten den "Rüstungswettlauf ins All verlegen". (AFP/dpa)

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