Welt : Absturz der Mir: Russisches Roulette

Thomas de Padova

Es ist zwar nicht völlig auszuschließen, dass Trümmer der ausgedienten russischen Raumstation Mir auf Deutschland stürzen. Allerdings sei dies "äußerst unwahrscheinlich", sagte der deutsche Astronaut Thomas Reiter am Freitag in Berlin. Nur wenn die geplanten Bremsmanöver fehlschlagen und die Mir ins Taumeln gerät, besteht eine geringe Gefahr für Länder auf der Nordhalbkugel.

Die mehr als 130 Tonnen schwere Plattform kreist seit 15 Jahren um die Erde. Astronauten wie Thomas Reiter haben dort viele Monate zugebracht und gezeigt, dass der Mensch unter großen Anstrengungen in der Lage ist, im Weltraum zu experimentieren. Derzeit verliert die Mir mehr als einen Kilometer Höhe pro Tag. Plangemäß soll sie in den kommenden zwei Wochen auf eine 250 Kilometer hohe Umlaufbahn absinken.

Irgendwann zwischen dem 16. und 22. März wird dann ihr Absturz eingeleitet: In mehreren Stufen bremst eine Progress-Rakete, die bereits im Januar an die Mir angedockt ist, die Station ab. In 90 bis 60 Kilometern Höhe beginnt der größte Teil der Mir in der extremen Reibungshitze der Atmosphäre zu verglühen. Das angepeilte Zielgebiet liegt über dem Pazifik, 3500 Kilometer südöstlich von Neuseeland.

Einige Bruchstücke werden allerdings nicht ganz verdampfen, darunter wohl auch die schweren Andockstellen aus Stahl und Titan. Sie könnten mit Geschwindigkeiten bis zu 400 Kilometern pro Stunde auf die Erde fallen, sagte Walter Kröll, Vorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Es sei zu erwarten, dass insgesamt 20 bis 40 Tonnen Weltraumschrott ins Meer stürzen.

Einen Regen aus kiloschweren Trümmern werde es nicht geben, betonten Experten. Auch lagerten keine radioaktiven Teile auf der Mir, versicherte Kröll. "Es besteht kein Anlass für Panik und kein Anlass für Katastrophenalarm."

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