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Absturz von Flug 4U9525 : Copilot informierte sich über Selbsttötung - zweite Blackbox gefunden

An der Absturzstelle von Flug 4U9525 in den französischen Alpen haben die Ermittler nun auch den Flugdatenschreiber gefunden. Die Aufzeichnungen sind wohl verwertbar. Laut der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat sich Copilot Andreas Lubitz im Internet über Arten einer Selbsttötung informiert.

Bilder zur Erinnerung an die Opfer des Absturzes von Flug 4U9525 am Flughafen Düsseldorf
Bilder zur Erinnerung an die Opfer des Absturzes von Flug 4U9525 am Flughafen DüsseldorfFoto: Reuters/Wolfgang Rattay

Copilot Andreas Lubitz hat sich vor dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich im Internet über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert. Auch nach Sicherheitsmechanismen von Cockpittüren habe er gesucht, wie die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag mitteilte. Dies habe die Auswertung eines Tablets des 27-Jährigen ergeben. Bis zum Tag vor der Katastrophe am 24. März
habe er in Suchmaschinen entsprechende Begriffe eingegeben.

Den Angaben zufolge informierte sich der Copilot im Internet auch über medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Die Ermittler konnten demnach in dem in der Düsseldorfer Wohnung des Mannes gefundenen Tablet den Browserverlauf für die Zeit vom 16. bis 23. März nachvollziehen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Copilot schon vor Jahren suizidgefährdet gewesen. Er war wegen schwerer psychischer Probleme in Behandlung. Die Flugtauglichkeit war ihm jedoch bescheinigt worden.

Ein herkömmlicher Flugdatenschreiber.
Ein herkömmlicher Flugdatenschreiber.Foto: dpa

Zweite Blackbox gefunden

Unterdessen wurde ebenfalls am Donnerstag die zweite Blackbox des Airbus A320 gefunden. Das teilte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, mit. Der Stimmrekorder war bereits kurz nach dem Absturz am Dienstag vergangener Woche gefunden worden, nach dem Flugdatenschreiber mit den technischen Daten war hingegen lange vergeblich an der Absturzstelle gesucht worden.

Der Zustand des Flugdatenschreibers lasse darauf hoffen, dass die Daten auch auszuwerten seien, sagte Robin. Der Flugschreiber sei am Nachmittag am Berg entdeckt worden. Er sei verschüttet gewesen.

Nach dem Absturz gehörte es von Beginn an zu den Prioritäten, den Flugdatenschreiber aufzuspüren. „Er ist für die weiteren Ermittlungen unersetzlich“, hatte Yves Naffrechoux von der Gendarmerie des Départements Alpes-de-Haute-Provence gesagt.

Der Flugdatenschreiber zeichnet relevante Daten wie Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Gespeicherte GPS-Daten geben zudem Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks - auch wenn die Trümmer wie im Fall der Germanwings-Maschine weit verstreut sind. Der Flugdatenschreiber kann 25 Stunden lang aufzeichnen, auch Informationen vorheriger Flüge.

Aufgrund der Aufzeichnungen des Stimmrekorders hatten die Ermittler den mutmaßlichen Ablauf vor dem Unglück mit 150 Toten nach eigenen Angaben bereits teilweise rekonstruieren können. Demnach hatte der deutsche Copilot die Maschine absichtlich gegen eine Felswand in den Alpen gesteuert. Den Kapitän des Flugzeuges hatte der 27-jährige Copilot, nachdem dieser auf die Toilette gegangen war, aus dem Cockpit ausgesperrt. Bei dem Absturz kamen alle 150 Insassen der Germanwings-Maschine ums Leben, darunter auch 72 Deutsche.

Identifikation dauert noch Wochen

Laut dem Staatsanwalt Robin konnten inzwischen 150 verschiedene DNA-Profile aus den 2.285 DNA-Proben von der Absturzstelle isoliert werden. "Das bedeutet nicht, dass wir die 150 Opfer identifiziert haben", sagte Robin. Die DNA-Profile müssten nun mit Proben abgeglichen werden, die die Familien übergeben hätten. Diese Arbeit werde nächste Woche beginnen. Er versicherte, dass die Familien sofort informiert würden, sobald eine Identifikation klar sei, was aber noch drei bis fünf Wochen dauern könne.

Nach Angaben von Robin wurden auch 42 sehr beschädigte Mobiltelefone an der Absturzstelle gefunden. Die Möglichkeit einer Auswertung bewertete der Staatsanwalt skeptisch. Mehrere Medien hatten über ein Handy-Video zu den letzten Augenblicken an Bord der Maschine berichtet. (AFP, Tsp, dpa)

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