• Acht Tote bei Brand in Backnang: Polizei: Technischer Defekt am wahrscheinlichsten
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Acht Tote bei Brand in Backnang : Polizei: Technischer Defekt am wahrscheinlichsten

Die Brandkatastrophe in Backnang mit acht Toten ist nach Angaben der Polizei wohl durch einen technischen Defekt ausgelöst worden. Der türkische Staatspräsident Gül hatte nach dem tödlichen Brand eine vollständige Aufklärung gefordert.

Freunde und Bekannte trauern um die Opfer der Brandkatastrophe.
Freunde und Bekannte trauern um die Opfer der Brandkatastrophe.Foto: dpa

Die Ermittler schließen einen Anschlag weitgehend aus. „Ein technischer Defekt im Gebäude ist am wahrscheinlichsten“, sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder am Montag in Backnang.

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hatte zuvor angekündigt, die Türkei werde der Sache auf den Grund gehen. Bei dem Brand im schwäbischen Backnang waren nach bisherigen Ermittlungen der Polizei eine 40-jährige Frau türkischer Herkunft und sieben ihrer Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren ums Leben gekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bestürzt auf den tödlichen Brand reagiert. Die Kanzlerin sei zutiefst erschüttert über die furchtbare Brandkatastrophe, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, habe dem türkischen Botschafter am Sonntag im Namen der Bundesregierung kondoliert. Das Kanzleramt habe der baden-württembergischen Staatskanzlei jedwede Hilfe zugesagt. Mit Blick auf skeptische Äußerungen aus der Türkei zur deutschen Ermittlungsarbeit sagte Streiter: „Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist.“

Der Türkische Botschafter in Deutschland Karslioglu und Ministerpräsident Kretschmann haben gemeinsam den Unglücksort besucht.
Der Türkische Botschafter in Deutschland Karslioglu und Ministerpräsident Kretschmann haben gemeinsam den Unglücksort besucht.Foto: Reuters

Die türkische Opposition hat eine eigene Delegation zu Untersuchungen nach Deutschland geschickt. Zwei Mitglieder der Republikanischen Volkspartei (CHP) seien am Sonntag abgereist, berichteten türkische Medien am Montag. Seine Partei erwarte eine Aufklärung der Umstände, die alle Zweifel ausräumen müsse, sagte der CHP-Auslandskoordinator Ali Kilic demnach.

Auch das türkische Außenamt erklärte, Ankara erwarte von den deutschen Behörden, dass sie „ernsthaft“ in alle Richtungen ermittelten. Das gelte auch nach ersten Angaben der deutschen Polizei, wonach es in Backnang keine Hinweise auf einen Anschlag gebe. Ähnlich hatte sich am Sonntag bereits der für die Auslandstürken zuständige Vizepremier Bekir Bozdag geäußert. In der türkischen Presse wurde am Montag sowohl über einen Anschlag als auch über einen Unfall als Auslöser des Feuers spekuliert.

Bei rechtsextremen Anschlägen auf von Türken bewohnte Häuser in Mölln und Solingen waren 1992 und 1993 insgesamt acht Menschen getötet worden. Auch nach der Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei der im Jahr 2008 neun Türken starben, wurden in der Türkei Vorwürfe laut, das Feuer sei von Neonazis gelegt worden. Die Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle NSU, der acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Bürger sowie eine Polizistin zum Opfer gefallen waren, hatte in der Türkei die Sorge um fremdenfeindliche Tendenzen in Deutschland weiter verstärkt.

Nach der Feuerkatastrophe in Backnang setzen die Brandermittler am Montag ihre Suche nach der Unglücksursache fort. Schon am Sonntag hätten die Kriminaltechniker der Waiblinger Polizei erste Vorbereitungen für ihre Ermittlungen in dem Haus getroffen. Noch ließen sich über den Auslöser für das Feuer keine verlässlichen Angaben machen.

Am Sonntag gab es erste Vermutungen, wonach ein Defekt an einem Ofen in der Wohnung der Familie den Brand verursacht haben könnte. Dies sei jedoch nur eine Möglichkeit, sagte der Sprecher. Noch können die Ermittler laut Polizei auch andere Ursachen für das Feuer nicht ausschließen. Anhaltspunkte für Brandstiftung gibt es demnach derzeit aber keine.

Die Rettungskräfte hatten die Mutter und ihre sieben Kinder zwischen sechs Monaten und 16 Jahren tot in zwei Zimmern ihrer Wohnung gefunden. Ein elfjähriger Junge, dessen Onkel sowie die Großmutter der Familie konnten gerettet werden. Der Junge und der Onkel sind laut Polizei wegen der dramatischen Erlebnisse noch im Krankenhaus. Sie hätten sich aber keine schwerwiegenden Brandverletzungen zugezogen. (dpa/AFP)

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