Welt : Achtung der Natur: Jugendliche sind umweltbewusster als Erwachsene

Claudia von Salzen

Umweltschutz ist für mehr als 90 Prozent der Deutschen wichtig, wie eine Emnid-Umfrage Anfang des Jahres ergab. Die 19-jährige Maike beschäftigte das Thema so sehr, dass sie selbst etwas tun wollte. Seit sieben Jahren ist sie bei Greenpeace aktiv. Zusammen mit ihrer Jugendgruppe organisierte sie 1996 eine Protestaktion gegen Autos auf der Internationalen Automobilausstellung in Berlin. Die Jugendlichen erinnerten mit Kerzen an die Verkehrstoten in Deutschland, verteilten Flugblätter und sprachen mit Besuchern - auch mit Berlins Regierendem Bürgermeister Diepgen.

Maike ist eine von 600 jungen Umweltschützerinnen und Umweltschützern aus aller Welt, die für eine Studie über die Zukunft der Erde aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen befragt wurden. Im Mittelpunkt der Studie des Psychologen und Soziologen Sven Sohr steht das "ökologische Gewissen", die Sensibilität für die Achtung der Natur. Besonders ausgeprägt ist das ökologische Gewissen demnach am Übergang von der Kindheit zum Jugendalter. "Selbst bei Kindern im Vorschulalter konnte ein ökologisches Gewissen nachgewiesen werden", sagte Sohr bei der Vorstellung der Studie. Erwachsene könnten hier von den Kindern und Jugendlichen lernen, betonte der Autor. Denn mit dem Erwachsenwerden nimmt das Umweltbewusstsein deutlich ab, andere Probleme wie Berufswahl und Beziehungen treten in den Vordergrund.

Befragungen in anderen Ländern wie den Niederlanden, Kanada, Mali und Chile zeigten nach Angaben von Sohr ein ähnliches Bild wie in Deutschland. Allerdings sei nirgendwo die Hoffnungslosigkeit angesichts von Umweltproblemen größer als in Deutschland. Der deutschen Umweltbewegung stellt Sohr ein schlechtes Zeugnis aus: "Die Aktivisten sind müde geworden, die Optimisten sehen oft keinen Handlungsbedarf, die Pessimisten haben sich zurückgezogen und die Forderungen der Realisten will im Grunde niemand hören."

Die Jugend der 90er Jahre wird oft dafür kritisiert, dass sie sich gesellschaftlich nicht genug engagiert. "Jugendliche engagieren sich nur wenig in klassischen Institutionen wie den Parteien, wo sie Flugblätter verteilen, aber die Texte nicht selbst schreiben", hat Klaus Farin vom Archiv für Jugendkulturen beobachtet. "Sie wollen direkt handeln, gleichberechtigt arbeiten und im eigenen Bereich etwas verändern."

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