Welt : ADAC: Notrufe sollen unentgeltlich bleiben

THOMAS DE PADOVA ANDREAS OSWALD

Automobilclub möchte den Dienst übernehmen VON THOMAS DE PADOVA UND ANDREAS OSWALD

Sollen Fahrer nach einem Unfall auf der Autobahn künftig zuerst nach 30 Pfennig kramen müssen, oder nach einer Telefonkarte, gar einer ADAC-Karte, bevor sie die Notrufsäule betätigen dürfen? Einiges Erstaunen hat die Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums hervorgerufen, nach der die Notrufsäulen an den Autobahnen privatisiert werden sollen.Dabei wurde ausdrücklich offengehalten, ob Notrufe künftig gebührenpflichtig sein werden. Solche Befürchtungen sind, glaubt man dem ADAC, der den Notrufdienst übernehmen will, grundlos.Auf keinen Fall dürfe sich die Schnelligkeit oder die Qualität der Hilfe verschlechtern, sagte ADAC-Sprecher Wirsich.Sein Kollege Wuthe versprach, die Notrufe sollten unentgeltlich bleiben, wenn der ADAC den Zuschlag bekomme. Der Notrufdienst besteht aus den Notrufsäulen und den 100 Notrufzentralen bei den Autobahnmeistereien.Das sind nichts anderes als Telefonzentralen, die Hilfeersuchen an Polizei, Ambulanzdienste, Feuerwehr und ADAC weiterleiten. Nach Angaben des Sprechers des Bundesverkehrsministeriums, Schneiders, wird durch eine Privatisierung der Steuerzahler entlastet.Außerdem könne das System zentralisiert und kostensparender organisiert werden.Die Personalkosten von 38 Millionen Mark könnten erheblich reduziert werden, meint auch der ADAC.Als Finanzierungsmöglichkeit schlägt der Automobilclub vor, nicht nur die Telefonzentralen, sondern auch die 12.000 Kilometer langen Fernmeldeanlagen des Notrufsystems entlang der Autobahnen zu übernehmen.Deren Kapazität ist nicht ausgelastet und könnte für die Telekommunikation gewinnbringend vermietet werden.Die Einnahmen aus den Fernmeldeanlagen würden so den Notrufdienst finanzieren.Der ADAC-Sprecher sagte, auch die Unterstützung von Sponsoren wäre denkbar. "Wir wollen verhindern, daß eine private Gesellschaft von uns oder den Autofahrern Geld dafür verlangt, daß sie die Notrufe weiterleitet", sagte der ADAC-Sprecher.Auch der Auto Club Europa (ACE) warnte vor "Geschäftemacherei mit Pannenopfern".Wenn die Finanzierungsfragen geklärt seien, sei auch der ACE bereit, sich innerhalb des Konsortiums mit dem ADAC zu engagieren, heißt es in einer Mitteilung. Das Vorhaben stößt auf Kritik: "Wir bedauern, daß sich die Bundesregierung aus der Finanzierung zurückziehen möchte", sagt Siegfried Steiger, der 1969, nach dem Unfall seines Sohnes Björn, gemeinsam mit seiner Frau die "Björn Steiger Stiftung" ins Leben rief.Der Rettungsdienst hat seither rund 4000 Notrufsäulen auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen in ganz Deutschland aufgestellt."Das Notruftelefon auf Autobahnen ist eine öffentliche Aufgabe", sagte Steiger. Angefangen hatte alles damit, daß der Bundesrechnungshof darauf hinwies, daß der Bund nur für den Bau, die Länder für die Unterhaltung der Autobahnen zuständig sind.Daher müßten die Länder die Kosten für den Notrufdienst übernehmen.Die Länder lehnten ab.Da bekam der ADAC nach eigenen Angaben "Wind von der Sache" und bot an, den Dienst zu übernehmen.Um Bonner Bedenken wegen eines Monopols zu entsprechen, bildete der ADAC mit anderen Automobilclubs und den Verbänden der Abschleppdienste und des KFZ-Handwerks ein Konsortium.Dieses muß sich der Konkurrenz stellen.Bonn schreibt den Auftrag europaweit in dieser Woche aus. Von der angekündigten Privatisierung ist Berlin nicht betroffen."Berlin hat gar keine Notrufsäulen auf den Autobahnen", sagt Petra Reetz, Pressesprecherin der Senatsverkehrsverwaltung.Dort, wo eine Autobahn durch Ballungsgebiete führe und Hilfe ohne große Fußweg erreichbar sei, seien nach dem Krieg keine Notrufsäulen geplant worden.Lediglich in den drei großen Tunneln im Norden Berlins, auf der Autobahn in Richtung Hamburg, gibt es insgesamt 96 Notrufestellen.

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