ADAC : Schulbus-Test: 80 Prozent der Fahrer zu schnell unterwegs

Die Sicherheit der Kinder in Deutschlands Schulbussen ist nach Ansicht des ADAC zum Teil erheblich gefährdet. Laut einem Test überschreiten die Fahrer die Höchstgeschwindigkeit um bis zu 30 Stundenkilometer. Doch das ist längst nicht die einzige Gefahr für die Schüler.

Schulbus
Immer wieder kommt es - wie hier in Bayern - zu Unfällen mit Schulbussen (Archivbild von Dezember 2008). -Foto: dpa

MünchenViel zu schnell, völlig überfüllt und mit technischen Mängeln sind die meisten Schulbusse auf deutschen Straßen unterwegs. Die Sicherheit der Kinder sei daher kaum gegeben, wie der zweite ADAC-Schulbus-Test ergab. Bei rund 80 Prozent der Fahrten monierten die Tester überhöhtes Tempo, zum Teil wurde die Höchstgeschwindigkeit um bis zu 30 Stundenkilometer überschritten. Wie der ADAC am Donnerstag in München mitteilte, wurden 72 Fahrten in 12 Bundesländern begutachtet - ein knappes Drittel fiel dabei mit der Note "mangelhaft" glatt durch.

Ein weiteres Drittel der getesteten Fahrten wurde lediglich mit "ausreichend" bewertet, nur ein Drittel bekam die Note "gut" beziehungsweise in einem einzigen Fall in Schleswig-Holstein sogar ein "sehr gut". Eine wesentliche Ursache der Mängel sieht der Autoclub in nicht ausreichenden öffentlichen Zuschüssen für die Schülerbeförderung. Die Busunternehmer seien deshalb zu äußerst knappen Kalkulationen gezwungen, zu schnell fahrende und gestresste Fahrer sowie zusammengepferchte Schüler seien die Folge. Der ADAC forderte mehr Geld für den Schülertransport, eine Reduzierung der zulässigen Stehplätze und mehr Buskontrollen der Polizei.

Jeder dritte Bus überfüllt

Die Note "sehr gut" ging an die Linie 543 Wattenbek-Einfeld in Schleswig-Holstein. "Nicht nur der Fahrer punktete voll, auch die Schüler verhielten sich vorbildlich", lobte der ADAC. Das Schlusslicht im Test - die Linie 826 Naumburg-Droyßig in Sachsen-Anhalt - sei dagegen nur knapp dem "sehr mangelhaft" entgangen. Dort habe der Fahrer sich weder an das Tempolimit gehalten noch die Fahrweise den bergigen und engen Straßen angepasst. In dem Bus waren laut ADAC außerdem die wenigen Haltegriffe zu hoch angebracht.

Neben dem überhöhten Tempo vieler Schulbusse bemängelte der Autoclub auch, dass jeder dritte Bus Verspätung hatte oder überfüllt war - bisweilen hätten sogar Kinder an den Haltestellen stehengelassen werden müssen. "Problematisch ist häufig auch das Verhalten der Schüler, die drängeln und toben und den Kleineren meist keine Chance lassen", betonte der ADAC. Er empfahl, den Kindern mit Schulungen richtiges Verhalten nahezubringen. Eine weitere Möglichkeit sei der Einsatz qualifizierter Busbegleiter.

Erhebliche technische Mängel

Lediglich in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie in Thüringen wurden keine Schulbusfahrten getestet. Zum einen habe man sich auf Überlandfahrten konzentriert, zum anderen habe man die Länder nach Hinweisen von Eltern nach dem ersten Schulbustest 2008 ausgewählt, erläuterte ADAC-Experte Andreas Hölzel.

Zusammen mit der Polizei nahm der ADAC zusätzlich einen Technik-Check bei 89 Schulbussen in neun Bundesländern vor. Das Ergebnis: Jeder achte Bus hatte erhebliche technische Mängel, einer musste sogar aus dem Verkehr gezogen werden. Beanstandet wurden vor allem Lenkung, Bremsen oder Reifen. Der Technik-Check wurde vorgenommen in den Ländern Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg- Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen. Die übrigen Bundesländer seien wegen Absagen oder zu später Antworten der jeweiligen Innenministerien nicht einbezogen worden, sagte Hölzel. "Wir hätten uns gewünscht, dass sich alle Bundesländer anschließen." (küs/dpa)