Adel in Spanien : Die schrille Herzogin von Alba ist tot

Tausende Menschen nahmen von der in Sevilla aufgebahrten Adeligen Abschied. Die steinreiche und extravagante 88-Jährige war in Spanien fast so bekannt wie die Königsfamilie. Für Schlagzeilen sorgte sie vor allem vor drei Jahren, als sie einen 25 Jahre jüngeren einfachen Beamten heiratete.

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Die Herzogin von Alba mit ihrem Ehemann Alfonso Diez bei einem Empfang im Oktober 2013.
Die Herzogin von Alba mit ihrem Ehemann Alfonso Diez bei einem Empfang im Oktober 2013.Foto: dpa

Die schrille Adelige war der Liebling der spanischen Boulevardpresse. Ihr Markenzeichen waren ihre weißen Pudellocken, extravagante Kleider und ein durch umstrittene Schönheitsoperationen gezeichnetes Gesicht. Nun ist Cayetana Fitz-James Stuart, die in der Welt als Herzogin von Alba bekannt war und zu den kuriosesten Gestalten des europäischen Hochadels zählte, in der südspanischen Stadt Sevilla im Alter von 88 Jahren gestorben.

 Die Herzogin, die aus einem jahrhundertealten Adelsgeschlecht stammt, war eine der reichsten Frauen Spaniens und galt als die Adelige mit den meisten Titeln der Welt. Insgesamt hielt sie 57 adelige Rangbezeichnungen: So war sie unter anderem achtfache Herzogin, 15-fache Marquise, 21-fache Gräfin.

 Vor drei Jahren, im Herbst 2011, machte sie weltweit Schlagzeilen, weil die damals 85-jährige steinreiche Frau einen einfachen 60-jährigen Beamten der spanischen Sozialversicherung heiratete. Durch die Ehe mit Spaniens berühmtester Adeligen gleich nach der Königsfamilie stieg der Beamten-Bräutigam Alfonso Díez zum Herzog auf.

Ihr Alter sah man ihr kaum an, die Schönheitsoperationen schon.
Ihr Alter sah man ihr kaum an, die Schönheitsoperationen schon.Foto: Reuters

 Die eigenwillige Herzogin, die sich wenig um höfische Protokolle und die öffentliche Meinung scherte, hatte für die Hochzeit mit ihrem bürgerlichen Mann kämpfen müssen: Ihre sechs erwachsenen Kinder aus erster Ehe waren gegen die Vermählungspläne, weil sie in dem deutlich jüngeren Liebhaber einen Erbschleicher vermuteten. Ihre Kinder gaben den Widerstand erst auf, nachdem ihre Mutter und Chefin des Adelshauses ihnen einen Teil des Riesenvermögens überschrieb. Bräutigam Alfonso Díez verzichtete zudem auf jegliche Besitzansprüche. Der Reichtum der Familie, zu dem viel Grundbesitz, etliche Paläste und eine wertvolle Kunstsammlung gehören, wird auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

„Das Geld bedeutet mir nicht viel, die Leidenschaft ist mir wichtiger“, bekannte die schräge Adelige, die sagenhaft reich, aber auch volksnah war und an ihrem Wohnort, in der südspanischen Stadt Sevilla, sehr populär war. Ihre sterblichen Überreste wurden am Donnerstag im Rathaus Sevillas aufgebahrt, wo tausende Menschen von der Herzogin Abschied nahmen. Am Freitag wird in Sevillas mächtiger Kathedrale der Trauergottesdienst gefeiert.

Allerdings sorgte der Reichtum von Cayetana Fitz-James Stuart auch immer wieder für kritische Berichte: So sollen die landwirtschaftlichen Großbetriebe der wohlhabenden Familie von millionenschweren Agrar-Subventionen der Europäischen Union (EU) profitiert haben. Was nicht nur in Brüssel als Parade-Beispiel für die Verfehlungen der EU-Landwirtschaftsförderung angesehen wird. Auch in Spanien, wo viele Kleinbauern nicht über die Runden kommen, löste dies Empörung aus.

 

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