Adoption : Madonna will Mercy

Sie will es wieder tun, trotz aller Kritik: Madonna will ein weiteres afrikanisches Kind adoptieren. Am Freitag entscheidet der Richter in Malawi, ob die Sängerin die Vierjährige aufnehmen darf. Gibt es einen Promi-Bonus?

Johannes Schneider
Madonna
Madonna in Afrika. Die Sängerin ist mit ihrer Tochter in Malawi unterwegs. -Foto: AFP

Sie will es wieder tun, trotz aller Kritik: Madonna hat erneut die Adoption eines Kindes aus dem afrikanischen Malawi beantragt – und damit wie schon beim letzten Mal eine Diskussion über Auslandsadoptionen ausgelöst. Wohltätigkeitsorganisationen kritisieren, Madonnas Vorhaben diene eher ihrer Imagepflege als dem Wohl des Kindes.

Es sind die gleichen Reflexe wie beim letzten Mal. Kritiker pochen auf die Regeln oder prangern einen Promi-Bonus an. In den Hintergrund tritt dagegen die Tatsache, dass hier ein Kind aus einem afrikanischen Waisenhaus adoptiert werden soll, das damit eine sorgende Mutter und eine Erziehung bekommen wird.

„Eine Adoption sollte immer nur das allerletzte Mittel sein“, sagt Michael Heuer vom Kinderhilfswerk „terre des hommes“. Für fast jedes Kind sei es das Beste, im eigenen Land und im Umfeld der eigenen Familie aufzuwachsen. „Aber wenn Prominente ein Kind adoptieren wollen, gelten die normalen Regeln offenbar nicht mehr.“

Tatsächlich dürfte Madonna in Malawi eigentlich kein Kind adoptieren: Die 50-Jährige ist eine geschiedene Frau, und in Malawi sind Adoptionen für Alleinstehende und Geschiedene verboten.

Es ist nicht das erste Mal, dass Madonna ihren Kinderwunsch gegen geltendes Recht durchsetzt: Als Madonna und ihr damaliger Ehemann Guy Ritchie 2006 einen 13 Monate alten Jungen aus Malawi adoptierten, durften sie den kleinen David direkt nach der Adoption mit nach London nehmen. Dabei schreiben die malawischen Gesetze vor, dass sich die Adoptiveltern mit dem Kind zunächst für 18 bis 24 Monate in Malawi aufhalten müssen, bevor sie das Land verlassen dürfen.

Schon damals machte das Wort des „Promi-Bonus“ die Runde. Jetzt kommt der Vorwurf wieder auf. Britischen Presseberichten zufolge hat Madonna hochrangige malawische Politiker für ihr Vorhaben gewonnen. So soll unter anderen die Außenministerin Joyce Banda den Wunsch der Sängerin unterstützen.

Es könnte ein Handel mit Interessen auf beiden Seiten sein: Malawi ist eines der ärmsten Länder Afrikas, und Madonna engagiert sich seit Jahren sozial in dem südostafrikanischen Staat. In dem Dorf Chinkhota hat sie eine große Fläche Land gekauft, auf der sie eine Schule für Mädchen bauen lassen will. Joyce Banda soll eine Unterstützerin dieses Projekts sein.

Es sieht gut aus für Madonna. Voraussichtlich am Freitag wird der Richter Esimy Chombo in der Hauptstadt Lilongwe über ihren Antrag entscheiden. Die Schnelligkeit des Verfahrens überrascht Petra-Margareta Krestas. Die Berliner Anwältin hat sich auf Adoptionsrecht spezialisiert. „Kein Richter der Welt kann in so kurzer Zeit einen Adoptionsantrag bewerten“, sagt Krestas. Nach deutschem Recht sei bereits das Alter der Sängerin ein möglicher Grund, den Antrag abzulehnen. Davon abgesehen müsse die Lebenssituation des Kindes und des potenziellen Elternteils genau geprüft werden. „Das dauert hierzulande selbst bei Eilanträgen noch Monate.“

So lange muss Madonna nicht warten. Stimmt Chombo dem Antrag zu, ist die vierjährige Mercy James das vierte Kind der alleinerziehenden Mutter. Aus ihrer Ehe mit Guy Ritchie hat sie neben dem Adoptivsohn David ihren Sohn Rocco (8), aus einer anderen Beziehung Tochter Lourdes.

Mercys 18-jährige Mutter war einige Monate nach der Geburt gestorben. Der Vater ist am Leben, wie auch die Großmutter. Sie kritisierte die Adoption ihrer Enkelin: „Warum sucht sich diese Sängerin kein anderes Kind aus? Das ist Diebstahl. Ich werde vor Gericht gehen, ich werde sie nicht gehen lassen.“ Allerdings wird das Kind nicht der Großmutter weggenommen, es lebt im Waisenhaus. Madonna verteidigte ihre Pläne derweil in einem Gespräch mit der US-Moderatorin Oprah Winfrey. „Ich flehe alle Welt an, nach Afrika zu gehen und zu erleben, was ich gesehen habe“, sagte sie. Für Michael Heuer sind solche Hinweise auf die Not in Afrika kein ausreichendes Argument. Gerade in den USA äußere sich eine falsch verstandene Hilfsbereitschaft gegenüber Kindern aus armen Ländern in einer hohen Zahl von Adoptionen. „Es gibt dort massenweise Agenturen, die die Kinder anbieten wie im Warenhaus“, sagt er. Und diesen Agenturen gehe es häufig um Profit, nicht um das Wohl der Kinder.

Die USA gehören nicht zu den mittlerweile 78 Staaten, die dem Haager Übereinkommen zu Auslandsadoptionen von 1993 beigetreten sind. Das Abkommen regelt die Standards bei internationalen Adoptionen.

„Es ist unverständlich, dass die USA das Abkommen ignorieren“, sagt Heuer. Ein Kind aus dem Ausland aufzunehmen, sei eine komplizierte Aufgabe. Spätestens in der Pubertät stelle sich das Kind die Identitätsfrage. „Es will wissen: wo komme ich her, warum bin ich hier. Um diese Phase kompetent zu begleiten, müssen die Eltern darauf vorbereitet sein.“

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