Ägypten : Durch die Wüste - mit Vollgas zum Weltrekord

Hesham Wessim raste in 5 Stunden und 33 Minuten quer durch die West-Wüste. Weltrekord. Er ist der erster Ägypter, der es mit einer Einzelleistung ins Guinness-Buch schaffte.

Moritz Honert[Kairo]
Weltrekord
Mit diesem Jeep raste Hesham Wessim durch die Wüste und zum Weltrekord. -Foto: Moritz Honert

Zehn Tage braucht die Karawane, Hesham Wessim war ein wenig schneller. Gerade mal 5 Stunden 33 Minuten benötigte der ägyptische Ex-Rallyfahrer und heutige Geschäftsmann für die 560 Kilometer vom Gilf-Kebir-Plateau, quer durch die komplette West-Wüste und sein halbes Heimatland, bis zur Oase Siwa. Weltrekord.

Durchschnittsgeschwindigkeit: 130 Km/h

„Wenn ich im am Ende nicht in einen Sandsturm gekommen wäre, hätte ich auch sicher noch 40 Minuten schneller sein können“, sagt der 54-Jährige. Das Hemd weit offen, goldene Knöpfe an den Ärmeln seines Jacketts, könnte er problemlos als arabische Bruder von Curd Jürgens durchgehen. Als erster Ägypter mit einer Einzelleistung ins Guinness-Buch-der-Rekorde zu kommen, ist ihm aber auch mit der jetzigen Zeit gelungen. Schließlich war er der erste, der eine Durchquerung gegen die Uhr versuchte und mit GPS-Gerät und durchschnittlich 130 Km/h über bis zu 160 Meter hohe Dünen donnerte.

„Fastest Crossing of the Great Sand Sea“, steht jetzt auf der gerahmten Urkunde, die Wessim gerade von einem Vertreter der irischen Brauerei überreicht bekommen hat. Zwei Tage sind seit dem Rekord vergangen. Es ist Samstag, der 7. März 2009, der Ort: der Pressekonferenzsaal des Kairoer International Convention Centers. Der orangebraune Teppich, die orange bezogenen Plastiksitze und die ausladenden Glasröhrendeckenleuchter hätten allerdings auch problemlos in einen Ost-Berliner-Sitzungssaal des Jahres 1984 gepaßt. Wessim stört das wenig. Stolz präsentiert er den Fotografen und Kamerateams seine Urkunde.

„Ich liebe die Herausforderung“, sagt er auf die Frage, warum er die Tour überhaupt in Angriff genommen habe. Er wollte nur sicher gehen, dass er auch mit einem Rekord verewigt werde, der gut zu seinem Land und dessen Geschichte passe. Deshalb die Durchquerung des „großen Sand-Meeres“. Blitzlicht.

Die nächsten Rekorde sind in Planung

Wessim steigt vom Podium, schüttelt ein paar Hände. „Aha, aus Deutschland kommen Sie“, sagt er und schimpft dann ein bißchen auf Volkswagen. Die Verantwortlichen dort hätten ihm erst ein Auto stellen wollen, sich dann aber kurzfristig und ohne Erklärung wieder zurückgezogen. Vielleicht sei der Ausstieg beim Rekordversuch ja in Wolfsburg als Kollateralschaden der Absatzkrise abheftet worden? „Vielleicht“, sagt Wessim. Dass es der deutschen Autoindustrie nicht so gut gehe, habe er gehört. Er sei selber zu einem Viertel-Deutscher – seine Großmutter stamme aus Berlin. Aber egal. Sei er eben Toyota gefahren.

Den deutschen Autobauern gebe er aber gerne eine zweite Chance im November. Dann schon stehe der nächste, noch geheime Rekordversuch im Terminkalender. Und wenn der im Kasten sei, mache er sich auf den Spuren des Entdeckers Ibn Badutta gegen die Uhr auf von Marokko nach China. Der arabische Marco Polo war damals im 14. Jahrhundert volle 27 Jahre unterwegs. Hesham Wessim ist zuversichtlich, dass er die Zeit unterbietet.

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