Ärmelkanal : Eurostar-Panne: Zunächst nur Testfahrten

Die Pannenserie im Tunnel unter dem Ärmelkanal hat fast 60.000 Menschen das letzte Adventswochenende verdorben, auch am Montag soll der Zugverkehr ausgesetzt werden.

London/ParisEurostar stellte den Betrieb für das ganze Wochenende komplett ein. Bis Weihnachten rechnet das Unternehmen mit Nachwirkungen. Erschöpfte Reisende berichteten von chaotischen Zuständen und panischen Menschen in den gestrandeten Zügen. Grund für die Pannen, von denen sechs Eurostars betroffen waren, war der starke Temperaturanstieg bei der Einfahrt eiskalter Züge in den warmen Tunnel. Dadurch bildete sich außergewöhnlich viel Kondenswasser, das wichtige elektronische Teile lahmlegte.

Auch am Montag soll der Zugverkehr durch den Ärmelkanal-Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich ausgesetzt werden. Für viele Weihnachtsurlauber ist das Familienfest in Gefahr, weil die Auswirkungen der Pannen noch tagelang zu spüren sein werden. Bis zum 26. Dezember sollen keine neuen Tickets verkauft werden. Am Sonntag gab es nur Testfahrten mit leeren Zügen, um die technischen Probleme zu untersuchen.

Vier Hochgeschwindigkeitszüge blieben liegen

Mit einem Sondertransport wurden am Sonntag 500 gestrandete Menschen - vor allem Ältere und Familien mit Kindern - aus London zurück nach Frankreich gebracht. Allerdings nicht durch den Tunnel, sondern mit Hilfe von Bahn, Bussen und Fähren. In der Nacht zum Samstag hatten manche Eurostar-Reisende über 15 Stunden im Kanaltunnel festgesessen. Vier Hochgeschwindigkeitszüge waren liegengeblieben, ein fünfter konnte die Röhre nur langsam durchfahren. Ein sechster - eingesetzt als Sonderzug - hatte am Samstag Probleme, kurz nachdem er den Tunnel verlassen hatte. Die meisten Passagiere wurden mit einem Shuttle aus zwei gestrandeten Zügen geborgen. Für die anderen liegengebliebenen Eurostars mussten Ersatz-Diesellokomotiven her.

Lee Godfrey war mit seiner Familie unterwegs. "Wir waren ohne Strom. Uns sind das Wasser und das Essen ausgegangen. Und die Informationen des Personals waren ziemlich schlecht“, sagte er. Kinder hätten auf den Gängen geschlafen. Manche Menschen hätten Panikattacken gehabt.

Eurostar-Chef Richard Brown versprach, die Betroffenen zu entschädigen. "Es ist sehr kalt draußen, aber im Tunnel sind es 25 Grad und es gibt eine hohe Luftfeuchtigkeit. Das ist, als ob sie eine Bierflasche aus dem Kühlschrank in einen warmen Raum bringen, da entsteht viel Kondenswasser“, erklärte er die technischen Probleme. (ho/AFP/dpa)

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