Affäre : Außenminister stürzt über Sex-SMS

Finnlands Außenminister Ilkka Kanerva muss wegen einer Sex-SMS-Affäre gehen. Seine Partei hält ihm den Rücken nicht mehr frei. Eine finnische Zeitung druckte die erotischen Kurzmitteilungen.

André Anwar[Stockholm]
Kanerva
Ilkka Kanerva muss seinen Ministersessel räumen. -Foto: AFP

Weil der 60-jährige Minister nach eigener Angabe „ein paar hundert“ erotische Kurzmitteilungen von seinem Diensttelefon an zwei deutlich jüngere Stripperinnen verschickt hat, verliert er nun die Rückendeckung seiner konservativen Partei. EU-Parlamentarier Alexander Stubb soll nun den skandalumwitterten Kanerva als Außenminister ersetzen. Der Beschluss sei einstimmig gefallen, erklärte Jyrki Katainen, der Vorsitzende der konservativen Sammlungspartei.

„Es war eine schwere Entscheidung. Kanerva hat seine Arbeit als Außenminister ausgezeichnet ausgeführt. Aber er hat sich taktlos verhalten und deshalb nicht das volle Vertrauen, welches jeder Außenminister haben muss“, sagte Katainen ganz gerührt. Der Gestürzte selbst verzichtete auf ein Treffen mit der Presse. Er sei krankgeschrieben, sagte sein Sprecher. Zeitgleich veröffentlichte die finnische Zeitung „Hymy“ einige der Textnachrichten, welche der Minister an die Stripperinnen verschickt hatte.

„Möchtest du es an einem exotischen Ort machen?“, lautet eine der Stilblüten aus dem Repertoire des Ministers, welches die bekannte Nackttänzerin Johanna Tukiainen von der Tanztruppe „Scandinavian Dolls“ vorsichtshalber in ihrem Handy gespeichert hatte und auf die sich nun die gesamte Boulevardpresse des Landes stürzt. In anderen Mitteilungen soll er um Details der Dessous beider Frauen als auch um intime Abendessen mit ihnen gebeten haben.

Vor allem einflussreiche Mitglieder seiner konservativen Sammlungspartei, die zusammen mit dem liberalen Zentrum die Regierungskoalition bildet, waren erbost über die sexuellen Ausschweifungen ihres ansonsten recht populären Spitzenvertreters. Schließlich hatte Kanerva seinen Parteikollegen bereits vor zweieinhalb Jahren – damals war er als Vizefraktionschef im Parlament schon einmal wegen eines Sex-SMS-Skandals aufgefallen – hoch und heilig versprochen, nie wieder Sexmitteilungen zu verschicken.

Ministerpräsident Matti Vanhanen machte dem Leitspruch seiner liberalen Partei bis zuletzt alle Ehre und legte seine schützende Hand über den Außenminister. Diensttelefon hin oder her – das ganze sei schließlich Kanervas Privatangelegenheit und habe die Öffentlichkeit deshalb nicht zu interessieren, sagte er. Der 60-Jährige sei ansonsten ein ganz ausgezeichneter Außenminister. „Ich weiß, dass diese Art von Neugier bezüglich des Privatlebens von Ministern in gewissen Kreisen eine Art Volksvergnügen geworden ist“, rügte der Regierungschef. Dass Vanhanen seine Außenminister so in Schutz nahm, dürfte an eigenen Erfahrungen gelegen haben. Vanhanens Ex-Freundin Susan Ruusunen veröffentlichte mitten im Wahlkampf 2007 ein Buch über ihre neunmonatige Zeit als „Liebhaberin des Ministerpräsidenten“, mit intimen Schilderungen über deren Sexleben.

Am Freitag wird Alexander Stubb offiziell zum Außenminister ernannt. „Das Vaterland hat mich um einen Dienst gebeten. Da sagt man nicht nein“, sagte Stubbs.

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