Affäre Bettencourt : Die Milliardärin, ihr Gigolo und die Politik

Erst ging es um einen mutmaßlichen Erbschleicher, nun riecht die Affäre um Liliane Bettencourt auch stark nach einem politischen Skandal, der bis zur Pariser Regierung und die Umgebung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hinauf reicht.

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Ein Prozess ganz nach dem Geschmack der Klatschpresse war angekündigt: Die reichste Frau Frankreichs verschenkt Vermögenswerte von einer Milliarde Euro an einen Salonlöwen. Ihre Tochter stellt die Zurechnungsfähigkeit der Mutter infrage und klagt gegen den Erbschleicher. Doch bevor in zehn Tagen vor einem Gericht in Nanterre in der Nähe von Paris das Verfahren beginnt, hat die Affäre eine sensationelle Wende genommen. Es geht jetzt nicht mehr allein um den Streit, in dem Françoise Bettencourt-Meyers, die Tochter der hochbetagten Erbin des Kosmetikkonzerns L’Oréal, Liliane Bettencourt, dem als „Gigolo“ bezeichneten Schriftsteller und Fotografen François-Marie Banier vorwirft, die Altersschwäche ihrer 87-jährigen Mutter ausgenutzt zu haben. Das Vermögen von Liliane Bettencourt wird vom US-Magazin „Forbes“ auf rund 20 Milliarden Dollar (umgerechnet 16 Milliarden Euro) geschätzt. Die Affäre riecht auch stark nach einem politischen Skandal, der bis zur Pariser Regierung und die Umgebung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy hinauf reicht.

Das legen Tonbandaufnahmen von Gesprächen nahe, die die Milliardärin Liliane Bettencourt in ihrer Villa im Pariser Vorort Neuilly mit ihrem Vermögensverwalter Patrick de Maistre führte. Ihr Butler hatte die Aufzeichnungen über Monate hinweg heimlich gemacht und sie dann der Tochter übergeben, die sie der Polizei aushändigte. Auszüge wurden in den vergangenen Tagen von der Internetseite „Mediapart“ und dem Magazin „Le Point“ veröffentlicht. Den Butler nahm die Polizei vorübergehend fest, ebenso den Informatiker, der die Abschrift besorgte, und dessen Frau, die bis vor kurzem noch Liliane Bettencourts private Buchhalterin war. Zum Verhör musste auch Françoise Bettencourt-Meyers, deren Mutter sie nun verklagen will. Georges Kiejman, der Anwalt der Mutter, wirft ihr vor, Urheberin einer „organisierten Spionage“ zu sein.

Illegale Mitschnitte haben zwar keine Beweiskraft, aber für Olivier Metzner, den Anwalt der Tochter, gibt es keinen Zweifel mehr, dass die schwerhörige Greisin unter dem Einfluss ihrer Umgebung stand. In einem Interview, zu dem sie am Wochenende einen Reporter der Zeitung „Le Monde“ im Beisein ihres Vermögensberaters de Maistre empfing, bestritt Liliane Bettencourt das Gerede über ihren Zustand. Doch de Maistre beendete das Gespräch abrupt, als die Fragen unangenehm wurden. Nach den Aufzeichnungen hatte der Vermögensberater sie daran erinnert, dass sie den Schriftsteller François-Marie Banier sogar als ihren Universalerben eingesetzt habe.

Politisch explosiv sind die Passagen der Gespräche, in denen sich de Maistre gegenüber der greisen Milliardärin seiner Beziehungen nach oben brüstet. So berichtet er von Unterredungen mit Patrick Ouart, Präsident Sarkozys Berater für Fragen der Justiz, die zur Vermutung Anlass geben, dass von höchster Stelle versucht worden war, den von der Tochter Françoise Bettencourt-Meyers angestrengten Prozess gegen Banier abzuwenden. In der ersten Instanz könne man „nichts machen“, aber wenn es zum Berufungsverfahren komme, „kennen wir den Staatsanwalt sehr gut“, erfuhr de Maistre im Élysée-Palast.

Kompromittiert durch die Mitschnitte ist auch Arbeitsminister Eric Woerth, der bis vor kurzem als Budgetminister noch Jagd auf Steuerhinterzieher machte. Dabei entgingen ihm wohl die Machenschaften der Berater Bettencourts, die offenbar in der Schweiz geparkte Millionen ihrer Mandantin in Singapur oder Uruguay in Sicherheit zu bringen versuchten. Für Woerth ist das umso peinlicher, als seine Frau Florence laut de Maistre auf sein Betreiben als Verwalterin der Bettencourt-Milliarden hinzugezogen worden war. Das wurde de Maistre angesichts des kommenden Prozesses gegen Banier als „Fehler“ klar. Er müsse mit dem Minister sprechen, dass es „zu gefährlich“ sei, seine Frau weiter zu beschäftigen, legte er seiner Mandantin dar. „Wir werden ihm Geld geben und voilà…“

Minister Woerth, der auch Schatzmeister der Regierungspartei UMP ist, dementierte, seiner Frau die Stellung bei Bettencourt verschafft und Geld von der Milliardärin erhalten zu haben. Spenden für Sarkozys UMP wolle er allerdings nicht ausschließen.

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