Affären : Tiger Woods: Sponsoren sehen sein Handicap

Tiger Woods’ Affären sind Thema Nummer eins in den USA – sein vages Geständnis aber wird der Öffentlichkeit nicht reichen.

Rita Neubauer[San Francisco]
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Schlug mit dem Golfschläger auf den Wagen ein, in dem Tiger Woods saß: Ehefrau Elin Nordegren. -Fotos: Getty Images/AFP

Normalerweise ist es teuer, sich scheiden zu lassen. Für Tiger Woods wird es teuer, dass seine Frau bei ihm bleibt. Was er offenbar unbedingt will. Im konservativen Golfsport kommt Scheidung schlecht an, das kann Sponsorengelder kosten. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll Tiger Woods seiner Frau Elin Nordegren fünf Millionen Dollar gegeben haben – offenbar als erste Entschädigung für seine Affären und den öffentlichen Ärger darum.

Weitere 55 Millionen soll er ihr geboten haben, wenn sie bereit ist, weitere zwei Jahre mit ihm zusammenzubleiben. Offenbar will sie einen neuen Ehevertrag. Der bisherige soll vorgesehen haben, dass sie nach zehn Jahren Ehe 20 Millionen Dollar erhält. Die beiden sind seit fünf Jahren verheiratet.

Tiger Woods hatte sich am Mittwoch das Büßerhemd angezogen. Fünf Tage nach seinem mysteriösen Autounfall ergab er sich dem Unvermeidlichen und gestand auf seiner Website (tigerwoods.com) „Verfehlungen“. „Ich habe meine Familie im Stich gelassen und bedauere mein Fehlverhalten von ganzem Herzen“, schreibt er und will nun daran arbeiten, „der Ehemann und Vater zu sein, den meine Familie verdient“.

Fünf Tage lang hatte sich Woods gewunden und seine Privatsphäre verteidigt, doch am Mittwoch erzwang „US Weekly“ das Geständnis. Nicht nur prangte auf dem Titelbild des amerikanischen Magazins ein Foto von Woods mit seiner schönen Frau Elin Nordegren (29) unter der Schlagzeile: „Ja, er hat mich betrogen!“. „US Weekly“ veröffentlichte auf seiner Webseite Nachrichten, die Woods auf dem Anrufbeantworter einer Nachtclub-Hostess mit dem Namen Jaimee Grubbs hinterlassen hatte – drei Tage, bevor sein Cadillac-Geländewagen mitten in der Nacht gegen einen Hydranten und einen Baum in Florida krachte. Ein Unfall, dem ein Streit mit seiner Frau vorausgegangen sein soll.

Jaimee Grubbs behauptet, dass sie über drei Jahre eine Affäre mit Woods hatte. Und dass Woods sie bat, doch zukünftig keine Nachrichten mehr zu hinterlassen, da seine misstrauisch gewordene Frau seine Handy-Telefonliste durchstöbere.

Doch das ist nicht alles. Zuvor schon hatte die angebliche Beziehung zur New Yorker Nachtclub-Hostess Rachel Uchitel die Runde gemacht. Die Klatschwebsite „TMZ“ will wissen, dass Woods und Uchitel nur eine Stunde vor dem Unfall SMS austauschten. Am späten Donnerstagabend wollte sich dazu Uchitels Staranwältin Gloria Allred öffentlich äußern. Und dann ist da noch Kalika Moquin, eine Nightclub-Promoterin. Die 27-Jährige prahlte damit, sich mehr als einmal mit dem Top-Golfer in einem Hotel in Las Vegas getroffen zu haben.

„Unglücklicherweise ist für Tiger die Geschichte noch nicht vorbei“, sagt Bob Williams, der CEO von Burns Entertainment, der Prominente mit Sponsoren zusammenbringt. Und darum geht es letztendlich. Tiger Woods als sexbesessener Weiberheld, das passt nicht zum blitzblanken Image, das Tiger Woods bisher pflegte. Der Golfspieler ist Milliardär. 80 Prozent seines Vermögens kommen von Werbeverträgen, die im Jahr rund 100 Millionen Dollar einbringen. Mit seinem Namen preisen sich weltweit angesehene Unternehmen, Luxusuhren- und Sportartikel-Hersteller wie Nike, Gillette, Gatorade und AT&T. Nike, Gatorade und EA Sports bekräftigten jetzt ihr Engagement mit der Nummer eins des Golf. Auch Gillette erklärte, dass es an den Werbeverträgen festhalten wolle. Das sei nur logisch, meint David Schwab von Octagon First Call, einer Consultingfirma für Prominente. „Das sind Langzeitverträge, und Firmen schauen genau hin, wie die Öffentlichkeit reagiert. Denn lassen Firmen zu früh einen Sportler fallen, dann könnte das auch negative Auswirkungen haben.“

Anders sehe es jedoch für Unternehmen aus, die an ein zukünftiges Engagement mit Woods denken. Vor allem, wenn es sich um Firmen handelt, deren Klientel vor allem Frauen und Kinder sind. Denn Woods Werbeappeal war in erster Linie sein Saubermann-Image, frei von Skandalen und persönlichem Drama.

Wie schnell sich das ändern kann, zeigt Zeta Interactive, das auf Blogs, Sozialen Netzwerken und Message Boards die Stimmung von Konsumenten für einen Werbeträger aufspürt. Wurde Woods in der Vergangenheit mit Worten wie „Masters“ und „Winning“ in Verbindung gebracht, so sind es nun „Betrug“ und „Affäre“, erklärte Zeta-CEO Al DiGuido gegenüber AP. War der Ton der Kommentare vor dem Crash zu 91 Prozent positiv, so seien es nun nur noch 74 Prozent. „So gern Tiger die Sache hinter sich bringen möchte, das Interesse wird noch zunehmen, wie auch die negativen Kommentare“, prophezeit DiGuido. Einige Kommentatoren glauben, dass der Medienrummel so lange anhält, bis Woods selbst an die Öffentlichkeit tritt und Fragen beantwortet.

Er hat es in der Hand.

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